Erinnerungen an Shanghai

Pudong bei Nacht
Pudong bei Nacht

Am 2. April bin ich aus Shanghai zurückgekommen. Ich war für die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft dort und bin anschließend noch ein paar Tage länger geblieben.
Shanghai hat ca. 26 Millionen Einwohner und ist eine laute, lebhafte Stadt, die sich als Vorreiterin des modernen China sieht. Überall schießen Hochäuser aus dem Boden, jedes neue noch höher, noch spektakulärer als die bisherigen, Leuchtreklamen machen die Nacht zum Tag, Shoppingtempel reihen sich aneinander. Aber dazwischen gibt es noch ein wenig ursprünglicheres China, so wie ich es von früheren Reisen kenne. Es macht mir besonders Spaß, in den alten Gassen mit ihren traditionellen zweistöckigen Häusern, in denen unten ein Laden oder ein Restaurant ist, herumzuspazieren. Shanghai war schon immer ein wenig anders als andere chinesische Städte und ist durch den „Bund“, die historische Uferpromenade mit ihren neoklassizistischen Prachtbauten, geprägt.

Der Bund, erleuchtet bei Nacht
Der Bund, erleuchtet bei Nacht

Ich war schon mehrmals in Shanghai, seit 2011 dreimal beim Cup of China, einem Eiskunstlauf-Grand Prix, aber eben auch schon früher, bei meinem ersten Rucksackreisen durch China, 1987, 1988 und 1990. Pudong, der neue Stadtteil am anderen Ufer des Flusses Huang Pu, gegenüber vom Bund, existierte damals noch gar nicht. Die Nanjing Dong Lu war die Haupteinkaufsstraße, heute ist sie das auch noch, damals aber natürlich noch ohne die Filialen der weltbekannten Luxusmarken. Relativ unverändert ist der Yu Garten, ein im 16. Jahrhundert angelegter chinesischer Garten (und Shanghais bekannteste historische Sehenswürdigkeit). Um den Garten herum ist allerdings eine große Souvenireinkaufsmeile entstanden, durchsetzt mit Imbißstuben, in der man jeglichen Ramsch aber auch originelle Souvenirs kaufen kann. Besonders merkwürdig stechen die üblichen Fastfoodketten heraus, McDonalds in einem chinesischen Kitschpalast ist schon lustig.

Yu Garten
Yu Garten

Aber eben in der Nähe des Yu Gartens konnte ich durch die alten Gassen laufen, in denen sich das Leben der Menschen noch auf der Straße abspielt. Den Garten habe ich dann auch noch besucht, zusammen mit den deutschen Eistänzern Nelli Zhiganshina und Alexander Gazsi.

Während der WM habe ich in einem Luxushotel, dem offiziellen Hotel der Meisterschaft gewohnt, aber für meine drei extra Tage bin ich in ein wesentlich günstigeres Haus umgezogen, das nur knapp fünf Minuten weiter weg war. Mit zwei Kolleginnen war ich am Montag Dim Sum essen. Dim Sum sind kleine, mit Fleisch, Meeresfrüchten und/oder Gemüse gefüllte, im Dampf gegarte Teigtaschen, super lecker!

Köstliche Dim Sum
Köstliche Dim Sum

Abends waren wir in einem vegetarischen Restaurant, in dem die Gerichte nach chinesischer Tradition wie Fleischgerichte angemacht sind und auch oft so schmecken, aber rein pflanzlich sind. Nach dem Besuch im Yu Garten, einem Bummel über den Bund und einem Mittagessen mit Nelli und Alex, ihrem Trainer und einem anderen ehemaligen Eistänzer, der inzwischen in der Nähe von Shanghai lebt, bin ich am Dienstag noch ein wenig alleine herumgebummelt und auch zum Hotel Astor gegangen. Das ist ein Luxushotel, in dem einst sogar Zar Nikolaj II. abgestiegen ist. Doch Ende der 80er Jahre war es Shanghais größtes Hostel! Ich habe mich hineingeschlichen und das Ambiente genossen.

Lobby im Hotel Astor
Lobby im Hotel Astor

Heute verbreitet es wieder die gediegene Atmosphäre wie wohl schon vor 100 Jahren mit weiß gekleideten Pagen, seiner dunklen Holzverkleidung und dem dicken Teppich, der den Lärm verschluckt. Als wir damals dort abgestiegen sind, gab es keine Pagen und keinen Teppich und die großen Suiten mit ihren Stuckdecken waren Schlafsäle. Das Hostel war zum Teil so überlaufen, dass auch in den Gängen Feldbetten aufgestellt wurden, darüber wirbelten Ventilatoren. Es gab keine Klimaanlage. Die Atmosphäre war wie in einem Lager. Ich weiß noch, wie ich mit zwei deutschen Sinologiestudentinnen am Tisch in unserer „Schlafsaal-Suite“ saß und mir von ihnen die chinesischen Schriftzeichen für Deutschland vormalen ließ, damit ich sie auf meine Postkarten schreiben konnte. 🙂 Gegenüber vom Astor ist damals wie heute das russische Generalkonsulat und daneben das Seagull Hotel, damals stach es durch seine Größe heraus, heute verschwindet es unscheinbar zwischen den neuen Wolkenkratzern. Im Seagull gab es oben ein russisches Restaurant, welches Glück war es doch, nach wochenlanger chinesischer Kost ein westliches Mahl einzunehmen. Dummerweise ging gerade dann ein Taifun über Shanghai nieder und das Wasser stand knietief auf der Straße, als wir wieder in unser Hotel wollten. Bis heute frage ich mich, wie es möglich ist, dass das Wasser auf der Straße so hoch steigen kann, aber es war tatsächlich so. Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, nochmal im Astor zu wohnen, aber es wäre doch recht teuer gewesen… vielleicht beim nächsten Mal!

Mit Nelli und Alex habe ich abends noch eine Bootsfahrt auf dem Huang Pu unternommen, aber so toll war das nicht. Am letzten Tag sind wir in eines der historischen Kanaldörfer in der Umgebung von Shanghai gefahren, Zhujiajao. Der Ort ist zwar sehr touristisch (und lockt vor allem einheimische Touristen an), aber die Atmosphäre war sehr angenehm.

Wasserdorf Zhujiajao
Wasserdorf Zhujiajao
Mit Nelli und Alex auf dem Boot in Zhujiajiao, hinter uns die Fangsheng Brücke
Mit Nelli und Alex auf dem Boot in Zhujiajiao, hinter uns die Fangsheng Brücke

In der Umgebung gibt es noch viele solcher Dörfer oder Kleinstädte, und nicht alle sind touristisch erschlossen. Wir haben auf dem Rückweg noch Sijing besucht. Danach mussten Nelli und Alex zum Flughafen fahren und ich habe noch im Hotel gearbeitet, bevor ich am Donnerstagmorgen nach Hause geflogen bin. Ich wäre gern noch ein paar Tage länger geblieben.

Abendstimmung am Wasserdorf Sijing
Abendstimmung am Wasserdorf Sijing
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