Ein Besuch in Japan

Als Sportjournalistin, die vor allem über Eiskunstlauf berichtet, war ich schon sehr oft in Japan, denn dieser Sport ist hier sehr populär, es gibt viele Wettbewerbe und die Läufer sind große Stars. Ich hatte Gelegenheit, schon viele verschiedene Städte in Japan zu besuchen, allem voran natürlich die Metropolen Tokio und Osaka, aber auch Sapporo und das kühle Asahikawa auf der Nordinsel Hokkaido, die Tempelstadt Kyoto, Fukuoka und Kumamoto im Süden, Nagoya und Nagano, das vom Tsunami hart getroffene Sendai (vor und nach der Katastrophe von 2011).

Da mir Japan sehr gut gefällt, mich die Kultur des Landes interessiert und mir nicht zuletzt die Küche gut schmeckt, nutze ich wenn möglich die Gelegenheit und bleibe ein paar Tage länger oder komme ein paar Tage früher, damit ich mehr als nur das Hotel und die jeweilige Eishalle sehe. 2013 war ich zum Beispiel eine Woche in Kyoto und Umgebung sowie dann auch noch ein paar Tage in Nikko, bekannt für seine Tempelanlagen und Landschaften. Diesmal, im April 2015, bin ich für drei Tage auf die Halbinsel Izu, südwestlich von Tokio gelegen, gefahren.

Der Strand in der Nähe meines Hotels in Shimoda
Der Strand in der Nähe meines Hotels in Shimoda

Bei Japan denkt man fast immer an überfüllte Megastädte, in denen Menschen sich auf engstem Raum drängen. Das mag für Tokio und Osaka gelten, aber außerhalb der Großstädte sieht es ganz anders aus. Japan hat landschaftlich sehr viel zu bieten und man kann Weite und Ruhe genießen.

Einsamkeit am Strand
Einsamkeit am Strand

Ich bin in ca. drei Stunden mit dem Zug vom Flughafen nach Shimoda gefahren, das ist der Endpunkt der Bahnlinie auf Izu. Das Hafenstädtchen erlangte historische Bedeutung dadurch, dass hier im 19. Jahrhundert die Amerikaner landeten und ihre ersten Handelsverträge mit den Japanern schlossen. Später waren auch die Russen hier aktiv. Heute erinnern Denkmäler daran, auch an die amerikanisch-japanische Freundschaft, um die es im Zweiten Weltkrieg ja leider nicht gut stand.

Perry Road - historisches Sträßchen, benannt nach dem amerikanischen Kapitän, der als erster in Shimoda landete.
Perry Road – historisches Sträßchen, benannt nach dem amerikanischen Kapitän, der als erster in Shimoda landete.

Die vulkanische Küstenlandschaft bietet interessante Felsformationen aber auch schöne Strände. Ich habe mir ein gutes Hotel gegönnt, das auf einem Hügel trohnend einen tollen Blick aufs Meer bot.

Blick vom Hotelgarten auf die Bucht bei Shimoda
Blick vom Hotelgarten auf die Bucht bei Shimoda

Da es Nebensaison ist – das Wetter war leider auch nicht so überragend – waren weder der Ort noch das Hotel überfüllt. Ich habe mir Shimoda angeschaut, einen Park, mehrere kleine Tempel und bin zu meiner Freude ziemlich vielen Katzen begegnet – die allerdings bis auf eine sehr scheu waren und sich nicht streicheln, aber wenigstens photographieren ließen.

Zwei Katzen in Shimoda
Zwei Katzen in Shimoda

Die Japaner sind freundlich, aber viele sprechen leider kein oder kaum Englisch und ich bin noch immer nicht dazu gekommen, Japanisch zu lernen. In einem Tempel sprach mich ein älterer Mann an, der wohl dort arbeitete. Daß er wissen wollte, woher ich komme, habe ich noch verstanden. Ich sagte also Deutschland (eines der fünf Worte, die ich auf Japanisch kenne), was einen Redeschwall seinerseits auslöste. Ich glaube, er wollte wissen, von welchem Flughafen ich kam, jedenfalls hörte ich das Wort „airport“. Also sagte ich Frankfurt, was offenbar eine gute Antwort war, denn er freute sich darüber. Dann plauderte er weiter, und irgendwann verstand ich das Wort Beethoven. Aha, ich weiß, daß die Musik von Ludwig van Beethoven in Japan beliebt ist, insbesondere die 9. Symphonie. Ich versuchte, ihm zu erklären, daß ich aus Bonn komme, der Geburtsstadt Beethovens. Aber ich glaube, das konnte ich ihm nicht vermitteln. Schade!

Daianji Tempel
Daianji Tempel

Am Sonntag wollte ich die Westküste der Halbinsel erkunden und es traf sich perfekt, daß ein Freund, den ich von gemeinsamer Arbeit beim Olympic News Service kenne und der seit mehr als 30 Jahren in Japan lebt, sein Ferienhaus in der Gegend hat und sich bei mir meldete , als er auf Facebook sah, daß ich in Shimoda bin. Er holte mich ab, ich traf seine Frau, seine zwei Hunde, sah das in den Hügeln gelegene Ferienhaus mit tollem Blick bis aufs Meer und dann zeigte er mir die Umgebung.

Küste bei Dougashima mit dem Fuji im Hintergrund
Blick von Darryls und Brendas Ferienhaus

Wir sahen traditionelle kleine Reisfelder, die heute Hobbygärtner aus den Städten mieten können, und wir fuhren nach Dougashima, bekannt für seine Felsküste, die schon ein japanischer Kaiser mit seinem Besuch beehrte und zur nationalen Sehenswürdigkeit erhob.

Küste bei Dougashima
Küste bei Dougashima

Mit dem Bus fuhr ich gegen Abend zurück nach Shimoda. Der öffentliche Nahverkehr in Japan ist hervorragend organisiert. Im Bus gab es eine elektronische Anzeigetafel, aus der man seinen Fahrpreis ersehen konnte. Ich stieg bei Haltestelle 12 ein und zog ein Ticket beim Einsteigen, auf dem diese 12 vermerkt war. Auf der Tafel waren die Nummern von 1 bis über 30 zu sehen, und der Fahrpreis erhöhte sich, je weiter man fuhr. Beim Aussteigen nach fast einer Stunde Fahrt sah ich also, daß ich 1050 Yen (8,25 Euro) zu zahlen hatte und warf das Geld sowie mein Ticket in den Kassenautomaten beim Fahrer. Die elektronische Anzeige der Haltestellen war selbstverständlich auf Japanisch und auf Englisch. Auch in den Zügen kommt man gut klar, selbst wenn man kein Japanisch kann.

Küste bei Dougashima
Küste bei Dougashima

Ein weiterer wichtiger Grund für meine Reise nach Shimoda war der „onsen“. Onsen, das heiße Quellbad, ist japanische Wellness, seit Jahrhunderten erprobt. Der vulkanische Ursprung Japans hat dazu geführt, daß an vielen Orten heiße Quellen aus dem Boden sprudeln. Ich hatte wie schon bei anderen Aufenthalten ein Hotel mit eigenem „onsen“ gebucht. Am Anfang war es für mich etwas gewöhnungsbedürftig, daß man in Japan nackt badet, mit anderen zusammen. Es guckt aber keiner komisch, solange man sich an die Onsen-Etikette hält, d.h. bevor man ins Becken mit dem dampfenden Wasser steigt, wäscht man sich gründlich an dafür vorgesehenen Waschplätzen. Seife und Shampoo werden gestellt. Die Bäder sind übrigens im Allgemeinen nach Männern und Frauen getrennt. Mein Hotel hatte einen kleinen, aber feinen onsen, mit einem Innen- und einem Außenbecken. Es ist schon toll, an der frischen Luft in dem heißen Wasser zu entspannen. Eine Sauna gab es auch dazu. Vom onsen habe ich leider kein Bild, denn aus verständlichen Gründen ist photographieren dort nicht gestattet. Seit ich vor Jahren in einem Hotel in Sapporo das erste Mal in einen onsen ausprobiert habe, möchte ich es nicht missen.

Hier spazierte schon ein japanischer Kaiser
Hier spazierte schon ein japanischer Kaiser

Diesmal habe ich nicht in einem „ryokan“, einem traditionellen japanischen Gasthaus gewohnt, weil die alle sehr teuer waren. Aber früher habe ich schon in so einem ryokan auf dem Futon (dicke Matratze) geschlafen und im mit Strohmatten (tatami) ausgelegten Zimmer meinen grünen Tee getrunken. Die ryokan sind meist schlicht und elegant.

Witziges Fahrrad in Shimoda
Witziges Fahrrad in Shimoda

Mittlerweile bin ich im bunten, lauten Tokio angekommen, auch das ist spannend, aber jetzt ist der Kurzurlaub vorbei und die Arbeit geht weiter.

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2 Gedanken zu “Ein Besuch in Japan

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