Premieren in Baku

Seit Sonntagabend (31. Mai) bin ich in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Ich bleibe vier Wochen hier und komme bei den ersten Europaspielen zum Einsatz, beim Taekwondo und Fechten. Also erlebe ich gleich mehrere Premieren – meinen ersten Besuch in Aserbaidschan, die ersten Europaspiele, meinen ersten Job als Team-Supervisor (bisher war ich immer Reporterin bei solchen Veranstaltungen) und meinen ersten Fechtwettkampf. Puh!

Ich wußte zwar, daß Aserbaidschan eine ehemalige Sowjetrepublik irgendwo hinter der Türkei ist und am Kaspischen Meer liegt (das aber eigentlich ein See ist, wenn auch mit Salzwasser), aber ich mußte dann doch noch mal auf der Karte nachschauen, wo genau dieses Land liegt. Im Westen grenzt es an Armenien, im Norden an Georgien und Rußland, im Süden an Iran und im Westen an das Kaspische Meer.

Blick auf das Kaspische Meer und die Chrystal-Halle, in der ich arbeiten werde.
Blick auf das Kaspische Meer und die Chrystal-Halle, in der ich arbeiten werde.

Ich habe ja schon bei vielen Wettbewerben in einem News-Team gearbeitet und treffe immer wieder dieselben Leute, die wie Nomaden von einem Event zum nächsten ziehen. Es ist eine bunte Truppe aus vielen Ländern, zum Beispiel sind Australier, Engländer, Kanadier, Italiener, US-Amerikaner, ja sogar Neuseeländer, ein paar Deutsche, Österreicher und Franzosen dabei. Hier in Baku arbeite ich wieder mit einigen guten Bekannten zusammen wie meinem alten Freund James und auch Chris aus Österreich.

Wir wohnen im brandneuen „Mediendorf“, eine Gruppe von Hochhäusern, die erst wenige Tage vor unserer Ankunft fertiggestellt wurden noch nach frischer Farbe riechen. Jeder ist alleine in einem Doppelzimmer mit eigenem Bad untergebracht, das ist sehr angenehm. Die Unterkunft erinnert mich an das Mediendorf von den Olympischen Spielen in Peking. Wir wohnen im Haus 1, die Journalisten, die später auch kommen werden, nebenan in Haus 2. Direkt nebenan ist auch noch das Athletendorf.

Am 1. Juni hatten wir unseren ersten offiziellen Tag mit Besprechungen, Einweisung in das Redaktionssystem, das wir nutzen werden, Aushändigen der Technik (Mobiltelphone und Laptops). Abends bin ich mit Chris und James losgezogen und war in der Altstadt. Die ist sehr orientalisch geprägt, allerdings ist sie nicht so wirklich historisch sondern wurde anscheinend nach altem Muster wieder aufgebaut. Mir gefällt sie trotzdem, sie ist von einer wuchtigen, mit Türmen durchsetzten Stadtmauer umgeben und von schmalen Gassen durchzogen. In Basar-ähnlichen Läden gibt es Souvenirs und sogar „fliegende Teppiche“ zu kaufen. So einen sollte ich mir doch glatt zulegen!  🙂

Fliegende Teppiche im Angebot in der Altstadt
Fliegende Teppiche im Angebot in der Altstadt

Der zweite Tag begann wieder mit Besprechungen und ich erfuhr, daß etwas ganz Tolles auf mich zukommt: Das „rostering“, die Einteilung der Arbeitszeiten meines Teams. Oh je. Das sah alles etwas kompliziert aus und ich darf vor allem nicht vergessen, irgendwelche Änderungen einzugeben. Denn wenn einer zu spät oder gar nicht zu seiner eingeteilten Schicht erscheint, gibt es keinen Essensgutschein und vielleicht noch anderen Ärger.

Am Nachmittag haben wir unsere Uniformen abgeholt. Bei solchen Events bekommen wir fast immer eine Uniform, die wir auch tragen sollen, damit wir gleich als Mitarbeiter zu erkennen sind. Was es gibt, ist jeweils unterschiedlich. Hier in Baku bekamen wir drei hellblaue Polohemden und zwei graue Hosen, ein Käppi und eine Bauchtasche. In Umkleidekabinen probierten wir Musterklamotten an, um die richtige Größe herauszufinden. Das ist immer sehr unterschiedlich. In Asien fallen die Sachen oft sehr klein aus, da müssen gerade die Größeren und etwas Kräftigeren unter uns zu großen Größen greifen. Hier hätte ich das nicht erwartet, aber es war auch so. Und da ich schon gehört habe, daß die Sachen beim Waschen etwas eingehen, nahm ich lieber etwas, das etwas lockerer sitzt.

Baku 2015 Uniform
Baku 2015 Uniform

Mit sieben anderen bin ich nach der Uniformausgabe nochmal in der Stadt und an der Seepromenade spazieren gegangen, habe Postkarten erstanden und war in einem aserbaidschanischen Restaurant essen. Die Küche ist hier mittelöstlich – es gibt gutes Fladenbrot, gegrilltes Fleisch und Gemüse, Käse z.B. Uns hat es geschmeckt. 🙂

Blick auf die Altstadt von Baku
Blick auf die Altstadt von Baku

Es ist übrigens angenehm warm hier, aber ziemlich windig. Auf einer Tourismusbroschüre stand, daß Aserbaidschan das Land des Feuers sei, aber ich finde, Land des Windes paßt noch besser.

Für Aserbaidschan haben diese Europaspiele eine enorme Bedeutung, man will klotzen statt kleckern und sich der Welt als würdiger Gastgeber präsentieren. Daher wird nicht gespart, man hat hochmoderne Sportstätten gebaut, die nachts stolz beleuchtet werden. Kritik wird allerdings nicht gern gehört oder gelesen, wie so mancher Journalist oder Dissident erfahren mußte. Ich bin mir dessen durchaus bewußt, aber es ist auf jeden Fall eine Chance, dieses Land und seine Menschen kennenzulernen. Deswegen habe ich nicht gezögert, hierher zu kommen. Und die Menschen, denen ich bisher begegnet bin, ob im News-Team oder auf der Straße, waren alle sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Ich habe natürlich das Glück, daß Russisch weit verbreitet ist, mehr als Englisch. Aber für die Europaspiele haben viele junge Aserbaidschaner auch Englisch gelernt.

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