Ich möchte ein Hybrid sein!

Verlag, Agentur oder Selfpublishing?

Ich möchte eine Hybridautorin sein und das Beste aus allen Welten mitnehmen. Vielleicht bin ich unverschämt, aber ich probiere alles aus – Verlag, Agentur und Selfpublishing. Für verschiedene Projekte gibt es verschiedene Wege und ich als Autorin möchte auch herausfinden, was am besten zu mir passt. Ich glaube, jeder Weg hat seinen Reiz, seine Vor- und Nachteile.

Als ich anfing, ernsthaft übers Veröffentlichen literarischer Texte nachzudenken, war natürlich das erste Ziel, einen Verlag zu finden. Aber das ist nicht einfach, die Konkurrenz ist groß. Es gibt zwar auch sehr viele Verlage, die wiederum sehr unterschiedlich sind. Du musst den passenden finden und dein Projekt muss überzeugend genug sein. Die Verlagssuche dauert oft lange und ist frustrierend, wenn es viele Absagen gibt. Meinen Fantasyroman „Im Zeitschatten von Mondthal“ (ehemals: „Das Mondbuch“) habe ich einigen Verlagen angeboten und die üblichen Absagen kassiert oder gar keine Antwort erhalten. Ich bekam aber auch zwei Zusagen von kleinen Verlagen, die das Buch veröffentlichen wollten und mir einen Vertrag anboten, doch beide Verlage gingen vor der Veröffentlichung pleite (wenigstens lag es nicht an mir) und ich konnte wieder von vorne anfangen. Das erste Mal war in einer recht frühen Phase, das zweite Mal ein paar Jahre später. Inzwischen professionalisierte sich das Selfpublishing erheblich und wurde plötzlich auch interessant.

Ich schwankte lange, ob ich einen Verlag suchen oder das Buch selbst herausbringen wollte. Mal fing ich an, die Veröffentlichung vorzubereiten, dann versuchte ich es doch mal wieder mit einem Verlag, auf den ich aufmerksam geworden war und der Interesse äußerte, aber letztendlich sich nicht mehr meldete.

Ich verglich, hörte mich um und kam für mich zu dem Schluss, dass der einzige wesentliche Unterschied zwischen einem kleinen Verlag und dem Selfpublishing meine eigenen Investitionen sind. Für mich ist klar, dass ich, wenn ich ein Buch selbst herausbringe, es vernünftig machen will. D.h. ich muss Geld in Lektorat, Korrektorat und Cover investieren. Das ist Geld, von dem ich nicht glaube, dass ich es wieder hereinbekomme. Aber das ist erst einmal zweitrangig. Wenn ich in einem kleinen Verlag veröffentliche, habe ich keine Kosten für das Lektorat, Korrektorat und Cover. Aber gerade das Lektorat kann bei kleinen Verlagen schlampig sein. Ich habe mir schon manche Bücher aus kleinen Verlagen gekauft, ganz bewusst, und das Lektorat hätte meiner Meinung nach in vielen Fällen weitaus besser sein können.

Ich hatte eine sehr gute Lektorin an der Hand, die mich viel weitergebracht hat und das Geld wert war, das ich investiert habe. Ich sehe das auch als eine Investition in meine weitere Zukunft als Autorin.

Na gut, und der Zeitaufwand ist geringer, wenn ich in einem Verlag veröffentliche, da muss ich mich nicht mit verschiedenen SP-Anbietern auseinandersetzen, deren Leistungen vergleichen, mein Buch selbst formatieren etc.

Aber was die Werbung angeht, so muss ich mich in jedem Fall sehr aktiv einbringen, das wäre sogar der Fall, wenn ich einen größeren Verlag hätte. Denn die konzentrieren ihr Werbebudget auch nur auf wenige Top-Autoren, die ihnen das meiste Geld einbringen.

Ob Selfpublisher oder Kleinverlag – in den Buchhandel reinzukommen, ist sehr schwierig. Viele Buchhändler sind leider so arrogant, dass sie von Kleinverlagen und Selfpublishern nichts wissen wollen und ihnen keine Chance geben, nicht einmal dann, wenn es sich um Autoren aus der Stadt oder Region handelt. Vielleicht ist es ihnen auch einfach zu viel Aufwand, sich diese Bücher anzuschauen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Selfpublisher und Kleinverleger zahlen eben auch nichts dafür, dass sie auf einem Büchertisch präsentiert werden.

Für viele hat Selfpublishing immer noch einen faden Beigeschmack: Das macht man ja nur, weil man keinen Verlag gefunden hat. Und warum hat man keinen Verlag gefunden? Das Buch ist bestimmt schlecht. Ja, es gibt sehr, sehr viele schlechte Bücher, die Autoren selbst verlegt haben. Aber es gibt auch zunehmend Autoren, die sich bewusst fürs Selfpublishing entscheiden, weil sie so alles selbst entscheiden und gestalten können, und die gute Bücher herausbringen. Ist natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden, siehe oben, aber wenn dann Bücher verkauft werden, bleibt mehr beim Autor hängen.

Es gibt viele erfolgreiche Selfpublisher. Die Verlage beobachten das genau und die besten picken sie sich dann heraus. Noch bequemer können sie es ja nicht haben – das Produkt wurde ja bereits getestet, das Risiko für den Verlag tendiert gegen Null.

Dennoch will ich auch in einem Verlag veröffentlichen, um zu sehen, wie das ist. Ich habe bisher nur eine Kurzgeschichte in der Krimi-Anthologie „Mörderischer Rhein“ der edition Oberkassel veröffentlicht. Die Zusammenarbeit mit diesem Verlag war sehr gut. In diesem Verlag werde ich im kommenden Frühjahr ein eigenständiges Buch veröffentlichen und bin sehr gespannt.

Bleibt noch die Agentur. Ich hatte bereits Erfahrungen mit zwei Literaturagenturen. Bei der ersten kam ich mit dem Agenten persönlich nicht klar. Unsere Ansichten lagen zu weit auseinander. Ich frage mich, wieso er überhaupt das Projekt unter Vertrag genommen hat. Aber auch daraus habe ich etwas gelernt.

Bei der zweiten Agentur lief es schon wesentlich besser. Mit der Agentin, die für mich zuständig war, lag ich auf einer Wellenlänge. Wir konnten auf Augenhöhe über den Text diskutieren und daran arbeiten. Doch leider verließ diese Agentin die Agentur und die anderen Mitarbeiter hatten andere Projekte, um meines kümmerte sich niemand mehr. Am Ende lösten wir den Vertrag einvernehmlich auf. Die Agentin, die auch ausgebildete Lektorin war, engagierte ich dann für den Fantasyroman. Nun versuche ich es zum dritten Mal mit einer Agentur, für die Biographie der Karriere von Aljona Savchenko und Robin Szolkowy. Ich hatte gezögert, ob ich noch einmal mit einer Agentur zusammenarbeiten soll, aber sie haben mich überzeugt. Bisher lässt es sich gut an.

Ich denke, dreigleisig oder zumindest zweigleisig als „Hybridautorin“ zu fahren, ist die beste Lösung für mich. Mal sehen, welches der Projekte am Ende das erfolgreichste sein wird.

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