Unterwegs in Taiwan

Dank der Vier-Kontinente-Meisterschaft war ich mal wieder in Taiwan. Der Wettbewerb fand schon zum dritten Mal in Taipei, der Hauptstadt, statt, aber mir ist das nur recht. Ich mag Asien und insbesondere China. Taiwan war für mich früher immer das „bessere“ China – das heißt, tolle Landschaften, kulturelle Sehenswürdigkeiten und exotische Küche, aber alles freundlicher und weniger anstrengend als in der Volksrepublik China . Inzwischen ist es in China schon besser geworden, aber immer noch merkt man dort z.B. an der Internet-Zensur, dass es sich um einen autoritären Staat handelt, während es in Taiwan viel freier zugeht.

 

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101 in Taipei

Ich blieb nach der Meisterschaft noch eine Woche länger, um mir etwas anzuschauen. Da ich Taipei und Umgebung schon bei einem anderen Besuch ausführlicher erkundet hatte, wollte ich diesmal eine neue Gegend entdecken und bin an die Ostküste gefahren, um den Nationalpark in der Taroko-Schlucht zu sehen.

 

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Brücke in der Schlucht

Die Schlucht (auf Chinesisch heißt sie eigentlich Tai Lü Ge, Taroko ist der japanische Name) gilt als eine der Top-Sehenswürdigkeiten auf der Insel. Ich bin mit dem Zug von Taipei in zwei Stunden in den Ort Xincheng gefahren. Die Züge in Taiwan erinnern mich eher an die in Japan als in China. Jedenfalls war es bequem und nicht überfüllt, das ist schon mal was wert.

 

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Auf dem Weg zu den Qing Shui Klippen

Das Wetter war leider nicht so toll, ziemlich regnerisch und kühl. Ich hatte übers Internet ein kleines Hotel in unmittelbarer Strandnähe gebucht, das Aluwa Homestay, das auch nicht so weit weg von der Schlucht ist. Ich wollte bewußt nicht in die nächstgrößere Stadt, Hualien, gehen und von dort aus eine Bustour zur Schlucht machen, sondern nach meinem eigenen Fahrplan vorgehen. Das Hotel ist sehr individuell mit Holzfiguren und Steinen dekoriert, hier hat sich wohl ein Künstler ausgetobt. Von meinem geräumigen Zimmer aus konnte ich den Pazifik sehen (und hören). 🙂

 

Im Hotel konnte ich ein Fahrrad ausleihen, einer der Gründe, weshalb ich dieses Hotel genommen habe. Denn die Busverbindungen zur ca. 4 km entfernten Schlucht sind eher spärlich. Der Hotelmanager bot zwar an, mich nach Taroko zu fahren, aber ich wollte die Gastfreundschaft nicht ausnutzen. Mit dem Fahrrad ging es auch, allerdings war es weniger bequem als erhofft, weil das Rad etwas zu klein für mich war (sie hatten leider keine größeren) und weil es z.T. sehr windig war. Mit dem Rad gegen den Wind anzukämpfen war doch etwas anstrengend!
Viele Menschen in Taiwan sind übrigens hilfsbereit und freundlich. Als ich auf einer Brücke vom Rad stieg und es ein Stückchen schob, hielt ein Taiwanese auf dem Motorrad an und fragte gleich, ob alles in Ordnung sei oder ob er mir helfen könne.

 

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Mein Fahrrad

Ich bin also zur Schlucht geradelt. In der Schlucht gibt es Busse, die verschiedene Punkte anfahren, von denen aus man losziehen kann, aber leider war just am Tag vor meiner Ankunft ein Teil von Taroko wegen Bauarbeiten geschlossen worden. Viele Wanderwege waren gesperrt. Taifune in der Gegend zerstören immer wieder Wege, die dann repariert oder wegen Steinschlaggefahr geschlossen werden. Ich kam also nur bis Bo Luo Wan, das liegt im ersten Drittel der Schlucht auf einer Anhöhe. Dort herrschte Nieselregen, aber immerhin wirkten die Berge im Nebel auch recht malerisch. Ein bißchen sah ich mich dort um, dann fuhr ich wieder zurück und zum „Shakadang Trail“, ein Wanderweg entlang eines kleinen Flusses. Hier waren mehr Leute unterwegs, weil die Tourbusse ihre Passagiere hier absetzen. Die Touristen kamen meistens aus China oder Korea. Die Chinesen rechnen meist nicht damit, daß eine „Langnase“ ihre Sprache spricht. Ich kann sie dann überraschen oder zuhören, was sie sagen. Da sie gerne in Gruppen unterwegs sind, wundern sie sich über Leute, die alleine wandern, und machen entsprechende Kommentare. Ein Chinese bat mich sogar um ein Photo. Der Shakadang-Weg zieht sich an dem kleinen Fluss entlang, links und rechts ragen hohe Hügel auf, und alles ist sehr grün.

 

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Shakadang Wanderpfad

Danach radelte ich wieder zurück und musste feststellen, daß es in der Gegend kaum Restaurants gibt. Die Touristen fahren eben mit ihren Bussen wieder zurück nach Hualien. Ich habe mich im 7 Eleven versorgt.

 

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Sandsturm am Strand

An Tag zwei war der Wind noch heftiger geworden, am Strand gab es einen richtigen kleinen Sandsturm. Das war nicht angenehm, denn der Sand war im Rucksack und in der Kleidung, aber sah schon toll aus. Ich radelte in die Richtung der Qing Shui Klippen, die steil in Meer abfallen. Die Klippen waren etwa 10 km entfernt, normalerweise kein Problem, aber mit dem kleinen Rad und dem Wind war es mir zu weit. Ich bin so nah herangefahren, bis ich einen guten Blick auf die Klippen hatte. Außerdem hätte ich das letzte Stück durch einen Tunnel radeln müssen. Die Küstenstraße war recht stark befahren und es gab keinen richtigen Radweg, so ganz geheuer war mir das auch nicht. Ich hatte auch nicht so viel Zeit, denn ich wollte nochmal in die Schlucht.

 

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Qing Shui Klippen

Auf dem Rückweg bin ich in die Schlucht abgebogen und dort bis zum Schrein des Ewigen Frühlings gefahren. Ich habe einen Hügel mit einem Glockenturm erklommen und spontan einmal die Glocke geschlagen. Das haben mir die zwei Chinesen, die auch zum Turm gewandert waren, gleich nachgemacht. 🙂

 

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Glockenturm und Schrein

Der Weg vom Turm zum Schrein war leider gesperrt. Ich bin also von der anderen Seite zu dem malerisch an einem Wasserfall gelegenen Schrein gelaufen. Das war auch ein beliebter Stopp für die Tourbusse, und auf dem schmalen Weg zum Schrein(den man selbst nicht betreten konnte) drängten sich die Leute. Danach war es schon wieder Zeit für den Rückweg, denn es wurde schon früh dunkel und das Fahrrad hatte kein Licht.

 

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Blick vom Glockenturm verfremdet

Am nächsten Tag war ich nochmal in der Nähe des Hotels mit dem Rad unterwegs und habe einen kleinen Tempel besichtigt und im 7 Eleven zu Mittag gegessen, als sie plötzlich die Rolladen runterließen. Zuerst dachte ich, daß der Laden aus irgendeinem Grund Mittagspause macht (eigentlich unüblich), aber da ich sowieso gerade gehen wollte, war es mir egal. Doch draußen bemerkte ich, daß die sonst stark befahrene Straße leer war. Ein Polizist stand am Straßenrand und sagte mir, ich dürfe nicht auf der Straße fahren, sondern müsse einen anderen Weg nehmen, denn die Straße sei wegen einer Luftschutzübung gesperrt (dieses Wort kannte ich natürlich nicht auf Chinesisch, aber der Polizist schlug auf seinem Smartphone online schnell nach und zeigte es mir). Da wurde mir wieder bewußt, daß sich Taiwan doch ständig vom „Großen Bruder“ China bedroht sieht, der es „heim ins Reich“ holen könnte. Die Volksrepublik hat die Unabhängigkeit Taiwans nie anerkannt.

Nachmittags fuhr ich zurück nach Taipei, in den Vorort Xinbeitou. Dort gibt es viele heiße Quellen mit Schwefelwasser. Ich kenne das als „onsen“ aus Japan. Die Asiaten halten sehr viel von den heißen Quellen, es soll gesund sein. Ich hatte mir extra ein Hotel gebucht, in dem ich sogar heißes Quellwasser in der eigenen Badewanne genießen konnte, so mußte ich nicht in den wohl recht vollen öffentlichen Hotelpool gehen. Leider war das Wetter jetzt ganz schlecht geworden, mit kaltem Regen. Aber ich habe zwei Freundinnen getroffen, die ich vor fünf Jahren bei der ersten Vier-Kontinente-Meisterschaft in Taipei kennengelernt hatte, weil sie als Volunteers im Pressezentrum arbeiteten. Die eine ist eine Japanerin, die andere eine Taiwanesin. Wir waren zusammen Dim Sum essen, eine echte Köstlichkeit. Ich fuhr auch nochmal nach Danshui raus, das ist an der Küste. Und dann war die Zeit auch schon wieder vorbei.

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Köstliche Dim Sum

Mehr Photos gibt es auf der Photoseite.

 

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