Rio 2016: Endlich Zuckerhut und Copacapana!

Ich bin schon eine Woche in Rio, aber außer dem MPC (Main Press Center), dem Mediendorf und seiner unmittelbaren Umgebung hatte ich nichts gesehen. Daher nutzte ich den arbeitsfreien Mittwoch mit ein paar Kollegen zu einem Sightseeingtrip. Eigentlich wollten wir auf einen Aussichtspunkt in einer (befriedeten) Favela steigen, aber das Wetter war nicht so toll, bewölkt, es regnete sogar ein bißchen, so daß wir davon Abstand nahmen. Die Sicht wäre nicht so gut gewesen. Stattdessen sind wir direkt zur Copacabana gefahren. Das ist ja einer der berühmtesten Strände der Welt, und in der Tat eindrucksvoll. Schöner Sandstrand, ein paar Palmen, Sportgeräte sind aufgestellt, Beachvolleyballnetze, und obwohl keine Badewetter war, waren einige Leute am Strand und spielten, joggten oder saßen einfach am Ufer. Alles wirkte sauber, an der Promenade gibt es sanitäre Anlagen mit Toiletten, Duschen und Schließfächern für die Strandbesucher. Die fliegenden Händler, die allerlei Kitsch und Kram anbieten, erkannten uns natürlich gleich als Touristen, aber sie waren nicht zu aufdringlich und zogen sofort ab, wenn wir „nein, danke“ sagten.

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Die berühmte Copacabana

Wir liefen also an der Copacabana entlang, kehrten in einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße ein und marschierten noch bis zum Zuckerhut, der auf brasilianische „Pao Acucar“, also „Zuckerbrot“ heißt. Da es schon dämmrig wurde, verzichteten wir auf die Fahrt mit der Seilbahn auf den Gipfel. Am Freitag ist noch ein freier Tag, weil da alle Wettkampfstätten und das MPC „lockdown“ haben, d.h. alles gesichert wird. Hoffentlich haben wir schöneres Wetter und es klappt dann mit dem Zuckerhut oder den anderen Aussichtspunkten.

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Der Zuckerhut

Denn der Countdown läuft, es sind noch knapp zwei Wochen bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele. In unserem Mediendorf und am MPC wird noch fleißig gewerkelt und jeden Tag wird es etwas „fertiger“. Als ich am Dienstagabend aus dem MPC zurückkam, bemerkte ich, daß der Busparkplatz im Dorf frisch geteert war. Am Abend vorher fielen mir die mit Rindenmulch aufgehübschten Freiflächen auf. Am MPC wurde der Bürgersteig gemacht.

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Unsere Truppe am Zuckerhut

In mein Apartment ist inzwischen noch Giuliana („Gigi“), eine Italienerin, die ich von vielen anderen Events her gut kenne und die gut Deutsch spricht, eingezogen. Zusammen mit ihr stellten wir die Möbel in ihrem und meinem Zimmer um, um etwas mehr Platz zu haben. Denn irgendwie waren die Möbel unpraktisch angeordnet. Außerdem haben wir jede einen nicht funktionierenden Fernseher dort stehen, den wir nicht brauchen.

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Wohnbereich in unserem Apartment

Wir hatten Tage lang Training im MPC, um uns mit dem System vertraut zu machen. Das „ICMS“ ist das Programm, in dem wir unsere Texte schreiben werden. Neu ist, daß dort auch Audiodateien hochgeladen werden können, und wir sollen dort die Aufnahmen der Pressekonferenzen einspeisen. Das System wird immer weiterentwickelt und ist schon viel nutzerfreundlicher geworden. Aber man sollte trotzdem aufpassen und immer alles gut speichern, denn es sind schon Texte auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Das zweite, wichtige Programm ist „Info+“, eine für die akkreditierten Medienvertreter und die „Olympische Familie“ zugängliche Plattform mit Ergebnissen, Statistiken, Hintergrundmaterialien und eben unseren Meldungen, Artikeln und Flash Quotes, die wir dort einspeisen werden. Auch hier gab es ein paar Neuerungen. Z.B. werden jetzt auch Flash Quotes per Twitter veröffentlicht, die oben genannten Audiodateien sind abrufbar, und wir verlinken unsere Artikel untereinander.

Unser „Olympic News Service“ hat sich an veränderte Bedürfnisse angepaßt. Die Rolle des „Supervisors“ ist abgeschafft worden. Insgesamt sind auch weniger Reporter im Einsatz, weil weniger Material produziert werden soll. Statt ellenlanger Vorberichte, in denen jeder mögliche Medaillenkandidat erwähnt wird, sollen wir kurze Artikel liefern, die sich auf das Wesentliche konzentrieren. Auch sollen die Flash Quotes besser werden, nichtssagendes Bla Bla sollen wir nicht mehr wiedergeben. Weniger ist mehr. Das sehe ich auch so. Dafür können wir mehr „News Artikel“, Features schreiben.

Unsere Chefs, Lucia Montanarella und Patrick Moares, erläuterten uns die Umstrukturierung von ONS, die auf dem Feedback der Medien beruht. Dann kam die Stunde der Wahrheit, als wir erfuhren, welchen Sportarten wir zugeteilt wurden. Zuerst war ich enttäuscht, denn ich sollte Turmspringen und Synchronschwimmen betreuen. Doch ausnahmsweise konnte ich mit meiner Kollegin Lena tauschen. Denn sie hatte bei den Pan-Am-Games schon über diese Sportarten berichtet, dafür aber nie über Judo, was sie machen sollte. Ich durfte also zu Judo und Taekwondo wechseln. Ringen ist leider auch noch dabei, ich denke, das werde ich zusammen mit meinem Kollegen Giacomo „beackern“.

Im MPC können wir in der Mitarbeiter-Kantine essen. Die Auswahl ist ganz gut, das Essen leider etwas fleischlastig. Aber es gibt immer Salat, Obst, Reis, Kartoffeln, rote Bohnen, Gemüse und den „Sand“, Farofa, das ist Maniok-Mehl, eigentlich relativ geschmacklos, aber die Brasilianer schütten es über ihr Essen, egal, was es ist. 😉

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Mittagessen in der Kantine

 

Natürlich ist der mögliche komplette Ausschluß des russischen Teams ein Thema bei uns. Mir tun die Sportler leid. Ich habe leider keinen Zweifel daran, daß in Rußland viel gedopt wurde. Aber nicht nur dort! In anderen Ländern ist es nicht besser. Außerdem hat nicht jeder einzelne Sportler gedopt, besonders belastet sind laut dem Bericht die Leichtathletik, Gewichtheben und Ringen sowie „nicht olympische Sportarten“. Dann einfach alle auszuschließe, fände ich unfair. Auch wenn die russischen Sportler am Ende teilnehmen dürfen, wird es sicher ein schwerer Wettbewerb für sie werden.

 

 

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2 Gedanken zu “Rio 2016: Endlich Zuckerhut und Copacapana!

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