Rio 2016: Vorbereitungen

 

Die Tage hier in Rio fliegen nur so vorbei! Am Donnerstag haben mein Kollege Giacomo und ich zum ersten Mal unsere Wettkampfhalle besucht, unser „venue“. Wir sind im Olympiapark, das ist ein großes Gelände mit vielen Sportstätten im Stadtteil Barra, da, wo auch das Main Press Center (MPC) gelegen ist. Unter anderem haben wir die Wettkampfstätten für Schwimmen, Handball, Basketball, Tennis in diesem Park und eben auch die Hallen Carioca 1,2 und 3. Wir sind mit unseren Sportarten Judo, Ringen, Fechten und Taekwondo in Carioca 2 und 3. Die liegen direkt nebeneinander und teilen sich auch ein Pressezentrum. Carioca 1 beherbergt Basketball.

Ich werde Judo und Taekwondo „beackern“, Giacomo kümmert sich ums Fechten und Ringen teilen wir uns. Wir trafen am Donnerstag unsere „VMM“ (Venue Media Managerin) Pollyanna, eine junge und sympathische Brasilianerin, die alles gut im Griff zu haben scheint. Die Zusammenarbeit mit ihr verspricht sehr gut zu werden. Es hängt eben viel von den Personen ab, mit denen man arbeitet. Manche sind unkooperativ, andere genau das Gegenteil. Pollyanna stellte uns auch den Sportmanagern für Fechten, Judo und Taekwondo vor. Den „Fechtmeister“ kannte ich noch von den Europaspielen in Baku, auch er ist sehr freundlich und hilfsbereit. Der Judo-Mensch war ebenfalls sehr nett, wie auch der Taekwondo-Sportchef, das ist ein Amerikaner. Es ist sehr wichtig, einen guten Kontakt zu diesen Leuten zu pflegen, denn sie können uns bei Fragen weiterhelfen und auch Kontakte vermitteln. Wenn zum Beispiel etwas Unvorhergesehenes passiert, können wir uns dort Rat holen.

Den Sportmanager für Ringen haben wir nicht angetroffen, aber das holen wir noch nach. Ringen ist eine Sportart, die mir nicht besonders gefällt, aber ich muß mich natürlich trotzdem mit ihr befassen.

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Der malerische Stadtteil Santa Teresa

Carioca 2 und 3 sind nicht besonders groß, von daher sind die Wege kurz, sowohl von der Tribüne in die Mixed Zone als auch von der Mixed Zone ins Pressezentrum, wo wir unser Büro haben. Anders als früher gibt es kein extra ONS (Olympic News Service) Büro, sondern ein gemeinsames zusammen mit der VMM und ihrem Team. Bei Olympia liebt man ja die Titel, jeder ist Manager von irgendwas. Ich habe mich zum VPM ernannt – Venue Punching Manager, weil ich die Transportkarten für unsere Leute gelocht habe. 😉 Die kurzen Wege jedenfalls sind sehr erfreulich. In London war unser Büro auf einer anderen Etage und ziemlich weit weg vom Geschehen.

Auf dem Weg zu unseren Hallen haben Giacomo und ich wieder mit der Umweg-Regel Bekanntschaft gemacht. Bei Olympia gilt: Gehe nie den direkten Weg! Denn der ist garantiert versperrt. Wir sind einen riesigen Bogen um den ganzen Olympiapark gelatscht, bis wir endlich an den Eingang kamen. Auf dem Weg waren just an diesem Tag Massen von Soldaten aufgereiht, die meisten mit Gewehren. Sie standen auch rund ums MPC. Wir hatten gehört, daß zehn mutmaßliche Terroristen in Brasilien festgenommen worden seien. Vielleicht hing es damit zusammen. Giacomo und ich brauchten 45 Minuten. Für den Rückweg verriet uns Pollyana einen kürzeren Weg, allerdings mußten wir auch dort einen kleinen Umweg nehmen, weil ein Ausgang nur für Fahrzeuge und einer für Fußgänger war (den aber Autos auch benutzen durften).

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Blick auf Rio von Santa Teresa

 

Am Freitag war „lockdown“, das ist die ultimative Sicherung der Gebäude bzw. Venues. Alles wird gefilzt und nach dem „lockdown“ sind strenge Sicherheitskontrollen in Kraft. Am Samstag führte das zu langen Schlangen am MPC, auch, weil die Durchleuchtungsmachinen entweder nicht funktionierten oder bewußt nicht genutzt wurden und die Soldaten alles per Hand durchwühlten. Wir hatten am Freitag frei, damit der Security Sweep ungestört stattfinden konnte. Am Donnerstagabend hatten wir unsere ONS Party in einer Sportbar unweit der Copacabana, aber ein paar andere und ich sind um Mitternacht gegangen, weil wir am nächsten Tag nicht so spät aufstehen wollten. Von der Copacabana zu unserem Mediendorf ist es selbst ohne Verkehrstau eine Stunde Fahrt.

Wir wären am Freitag gerne zur berühmten Christus-Statue gefahren, dem Wahrzeichen Rios, aber da es bewölkt war, haben wir darauf verzichtet. Mit ein paar anderen war ich daher im Künstlerviertel Santa Teresa unterwegs, und wir hatten einen schönen Blick auf die Stadt. In Santa Teresa trafen wir noch auf unsere anderen Kollegen und marschierten zusammen wieder vom Hügel in die Stadt runter, über eine mit vielen Kacheln verzierte Treppe. Dieses Kunstwerk ist eine Touristenattraktion. Der Künstler, ein Chilene, wurde leider vor drei Jahren auf der Treppe ermordet. Den Tag ließen wir mit Souvenir-Shopping und einem Abendessen in der Nähe der Copacabana ausklingen.

Weil es schon spät war, brauchte der Bus nur knapp 50 Minuten zurück zum MPC. Allerdings durften wir dann etwa eine halbe Stunde auf unseren Anschluß ins Mediendorf warten. Busse über Busse standen auf dem Platz vor dem MPC, der „Main Transport Mall“ (MTM), aber es fand sich kein Fahrer für unseren Bus. Irgendwas war mal wieder schiefgelaufen. Ab Samstag sollen von der MTM aus Busse zu allen Veranstaltungsorten und zur Innenstadt sowie den Hotels und Mediendörfern fahren. Außerdem gibt es Shuttles in den Olympiapark und den Venues dort.

 

Am Samstag habe ich im MPC gearbeitet, an den Vorschauen für Judo und Taekwondo und an zwei Artikeln. In einem Artikel geht es um die Neuerung im Taekwondo, daß Sportler Hosen in Landesfarben tragen dürfen (bisher waren sie traditionell weiß). In dem anderen Artikel berichte ich über die Wahl des Fahnenträgers für die deutsche Olympiamannschaft, an der sich in diesem Jahr erstmals auch Fans und Sportler beteiligen können. Diese Artikel erscheinen im System „Info+“, das aber nur für akkreditierte Journalisten und die „Olympic Family“ zugänglich ist. Seit Samstag müssen wir auch unsere Uniform tragen, wenn wir im Dienst sind.

Anmerkung zum Thema Sicherheit: Der erste von uns wurde am Freitagabend Opfer eines Taschendiebs an der Copacabana. Aber zum Glück soll nicht so viel Geld weggekommen sein, habe ich gehört.

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Samstag war der erste Tag in Uniform für alle

 

 

 

 

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