Rio 2016: Vom Trainingsplan und anderen kleinen Problemen

Rio bereitet sich sichtbar auf das größte Sportereignis der Welt vor, aber nicht alles läuft glatt. Unsere Vorbereitungen sind leichter zu erledigen, wir schreiben unsere Vorschauen und versuchen, Sportler für erste Interviews beim Training „abzugreifen“. Das ist je nach Sportart ganz unterschiedlich. Manche sind schon hier und trainieren vor Ort, andere sind zwar in Brasilien, aber haben sich private Trainingsmöglichkeiten organisiert, wieder andere sind noch in weiter Ferne. Im Info, dem Informationssystem für die Olympischen Spiele, in dem unsere Artikel vom Olympic News Service (ONS) veröffentlicht werden, gibt es Trainingspläne. Aber die haben nicht immer etwas mit der Realität zu tun, weil die Teams ihre Zeiten kurzfristig ändern oder sich gar nicht anmelden und dann im wahrsten Sinne des Wortes plötzlich auf der Matte stehen (jedenfalls für meine Kampfsportarten). Also kann es passieren, dass wir völlig umsonst zu einem Training fahren.

Zum Glück ist das Trainingszentrum „Athletes Park“, in dem unter anderem die Judoka und die Ringer trainieren können, nur ca. 20 Minuten Fußweg vom Main Press Center (MPC) entfernt. Also wenn ich mich umsonst dorthin begebe, ist es nicht so schlimm. Viel ärgerlicher ist es, wenn man wer weiß wie weit fahren muss. Der Athletes Park ist eine Ansammlung von temporären Trainingsstätten in weißen Zelten, sogar ein Schwimmbad ist dabei! Am Dienstag habe ich erstmals das Judo-Training aufgesucht und einen einzigen Sportler aus Mozambique angetroffen, Marlon Acacio. Da er der erste Judoka war, der dort trainierte, schnappte ich ihn mir für ein Interview, zu dem er gerne bereit war. Und ich hatte Glück, er hatte auch noch eine interessante Geschichte zu erzählen. Er ist 2008 schon bei den Olympischen Spielen gestartet, allerdings für Südafrika. Dort ist er geboren und aufgewachsen. Dann beendete er seine Karriere aus finanziellen Gründen, doch 2012 entschloss er sich zur Rückkehr. Der südafrikanische Verband glaubte nicht daran, dass er sich qualifizieren könnte und unterstützte ihn nicht, daher wechselte er nach Mozambique. Von dort kommen seine Eltern. Es kam also bei dem Interview ein netter kleiner „News Article“ heraus.

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Blick auf den Athletes Park

Die Leute im Trainingszentrum sind sehr hilfsbereit und freundlich, auch wenn die Verständigung nicht so leicht ist, denn sie sprechen kaum Englisch oder eine andere Fremdsprache. Ich kann kein Portugiesisch, verstehe zwar dank meiner Französischkenntnisse viel, aber wenn ich etwas sagen möchte, kommt ein Mix aus Spanisch und Italienisch heraus, was ich beides auch nur ein bisschen spreche. Aber sie helfen mir, so gut es geht und stellen Informationen zur Verfügung. Es hängt viel davon ab, wie die Leute sind.

Mein armer Kollege Giacomo dagegen hat beim Fechten Pech, dort ist er beim Training nicht erwünscht, angeblich will der Fechtverband das nicht. Er stößt also nur auf Widerstand. Die Sportler sind anscheinend auch viel zickiger als die Judoka.

Weil beim Judo wieder nur Marlon aus Mozambique trainierte, habe ich am Mittwoch einen halben Tag „geschwänzt“ und bin zum Zuckerhut gefahren, denn das Wetter war toll (und wurde dann wieder schlechter). Der Zuckerhut hat mir gut gefallen. Man fährt mit der Seilbahn rauf und es eröffnet sich von dort ein tolles Panorama aus Meer, Stränden, felsigen Inseln, Bergen und der Stadt, die sich in die grünen Hügel eingefressen hat. Es wird von diesen Olympischen Spielen atemberaubende Bilder geben, das ist sicher. Diese Kulisse, dieses Panorama ist einmalig, und ich kann die Faszination für Rio verstehen. Ich war übrigens allein unterwegs und bin auch mit öffentlichen Bussen gefahren und wurde weder beklaut noch belästigt.

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Blick vom Zuckerhut auf Rio

Als ich am Nachmittag wieder in unsere Halle Carioca kam, hatten wir gerade einen Stromausfall im Pressezentrum. Zum Glück hielt er nur etwa eine halbe Stunde an. Aber ich stelle mir vor, was es für ein Chaos gäbe, sollte das im Wettkampf passieren. Die Wettkampfhallen für Judo und Fechten befinden sich noch im Aufbau. Von daher schärfte die Venue Media Managerin (VMM) uns ein, dass wir aufpassen sollten, dass Journalisten keine Photos machen. Was ich aber jetzt nicht schlimm fände. Jetzt muss die Halle noch nicht fertig sein. Unsere VMM hat aber nicht gesagt, dass wir keine Photos schießen dürfen. 😉

Am Donnerstag ging es wieder zum Judo-Training, diesmal stand Georgien auf dem Plan. Georgien ist eine Top-Nation im Judo, alle Starter sind Medaillenkandidaten. Erstmals ist auch eine Frau in der olympischen Judomannschaft von Georgien, eine gebürtige Holländerin. Das Training war zunächst ab 10.30 Uhr angesetzt, dann aber kam ein update und es sollte um 9 Uhr beginnen. Also war ich um kurz nach neun da. Von den Georgiern aber war nichts zu sehen! Und auf dem Trainingsplan in der Halle stand auch noch die alte Zeit von 10.30 Uhr. Wer warum dieses „update“ veröffentlicht hat, weiß ich nicht. Aber ich war schon froh, daß die Georgier gegen 10.45 dann tatsächlich aufgetaucht sind. Einige davon kenne ich von anderen Wettbewerben, sie mich auch, und sie freuten sich anscheinend, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Ich konnte insgesamt vier Interviews machen, eine gute Ausbeute.

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„Sneak Preview“ der Judo-Wettkampfhalle

Giacomo dagegen im Trainingszentrum auf der anderen Straßenseite hatte wieder nur Pech mit den Fechtern. Zwar durfte er diesmal rein, aber die Franzosen wollten keine Interviews geben.

Ich kehrte in unsere Halle zurück, aber zunächst funktionierten die Computer nicht und beim Check In wollten mir keinen Essensgutschein geben. Ich hatte offiziell einen freien Tag. Haben wir natürlich nicht wirklich, aber das brasilianische Arbeitsrecht fordert einen freien Tag pro Woche, Olympische Spiele hin oder her. Das bedeutet, dass wir zum Arbeiten kommen und uns keine Voucher zustehen, aber einen übriggebliebenen habe ich noch ergattert.

Vor allem wegen der Computerprobleme brauchte ich recht lang, bis ich meine Georgier verarbeitet hatte. Ich latschte dann wieder zurück zum Trainingszentrum, weil ich die Ukrainer sehen wollte. Und dann waren sie schon weg, als ich kurz vor Ende ihrer angesetzten Trainingszeit dort ankam. Sie waren früher gegangen!

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Blick auf Zuckerhut und das Meer
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