Aller guten Dinge sind manchmal vier: Meine Erfahrung mit Literaturagenturen

Gerade ist die Frankfurter Buchmesse zuende gegangen und Autoren diskutieren wieder über das Thema Literaturagentur. Ja, nein, vielleicht? Hat man überhaupt noch eine Chance, ohne Agentur bei einem Verlag unterzukommen?

Ich habe ganz unterschiedliche Erfahrungen mit Literaturagenturen gemacht und darauf einige Schlüsse gezogen. Ich nenne diese Agenturen bzw. Agenten hier nicht namentlich, um eventuellen Ärger zu vermeiden.

Mein allererster Kontakt kam über den BVjA zu Stande, als ich ein Interview mit einem Literaturagenten für unser Mitgliedermagazin gemacht habe. Leider stellte sich dieser Agent später als Abzocker heraus (im Interview gab er sich noch ganz seriös). Er schrieb einen „Manuskripte-Wettbewerb“ aus, der aber nur dazu diente, potenzielle „Kunden“ anzulocken. Denn er teilte den Autoren später mit, dass sie leider keinen Preis gewonnen hätten, er aber ihre Manuskripte  gegen eine Gebühr von 300 D-Mark gern in seine Kartei aufnehmen und vermitteln werde. Natürlich wurde nichts vermittelt, bzw. der Gipfel war, dass er einige Autoren später noch in einen Pseudo-Verlag „vermitteln“ wollte, wo sie für die Veröffentlichung hätten zahlen sollen. Mit dieser Masche ist der Mann auch noch heute unterwegs, wie eine schnelle Recherche ergab. In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass jede „Agentur“, die von Autoren vor einer erfolgreichen Vermittlung Gebühren für was auch immer abkassieren will, nicht seriös arbeitet.

Bei Agentur Nummer zwei merkte ich, dass für eine gute Zusammenarbeit auch die Wellenlänge eine wichtige Rolle spielt. Ich kam mit diesem Agenten persönlich nicht klar. Abgesehen davon schien ihm mein Manuskript nicht zu gefallen, weshalb ich mich frage, warum er mich überhaupt unter Vertrag genommen hat. Immerhin habe ich aus dieser Erfahrung auch etwas gelernt, und der Agent war seriös.

Aller guten Dinge sind drei, nicht wahr, also wagte ich nach einiger Zeit noch einen Versuch. Hier hatte sich eine neu gegründete Agentur auf der Suche nach Autoren an den BVjA gewandt. Zunächst schien es ein Volltreffer zu sein. Die Agentur nahm mich unter Vertrag, mit der für mich zuständigen Agentin hatte ich einen sehr guten Kontakt auf Augenhöhe, und wir begannen gleich, an einem (damals noch nicht fertigstellten) Romanmanuskript zu arbeiten. Diese Agentin war auch ausgebildete Lektorin. Ich flog sogar nach Berlin, um sie persönlich zu treffen. Es lief gut, die Zusammenarbeit machte Spaß, sie hielt mich immer auf dem Laufenden, was Verlagskontakte anging. Doch noch bevor der Roman fertig war, kündigte die Agentin, weil sie sich beruflich umorientieren wollte. Fairerweise informierte sie mich sofort und persönlich darüber. Leider aber hatten die anderen Agenten ihre eigenen Projekte und waren an meinem nicht so interessiert oder vielleicht waren sie auch nicht davon überzeugt. Jedenfalls kümmerte sich niemand mehr um mich und meinen Roman, so dass wir nach einiger Zeit den Vertrag einvernehmlich auflösten. Ich fand dann selbst einen Verlag für diesen Roman, inzwischen ist er erschienen.

Eigentlich hatte ich danach kein großes Interesse mehr an Agenturen. Auf dem Speed-Dating bei der Leipziger Buchmesse 2015 erhielt ich einen Termin bei einer Agentur und nahm ihn eigentlich nur deshalb wahr, weil ich die Ideen für drei Projekte „testen“ wollte – also in dem Sinne, würde sich die Agentur dafür interessieren? Die Agentin hatte an allen drei Interesse, aber ich lehnte zunächst ab. Das eine Projekt war ein Roman, den ich im Selfpublishing herausbringen wollte und in den ich bereits entsprechend viel investiert hatte, das zweite existierte nur als Exposé und für das dritte glaubte ich, dass ich selbst gut einen Verlag finden könnte. Doch die Agentin ließ nicht locker, kontaktierte mich später wieder und lockte mich mit der Aussicht darauf, in einem großen Verlag zu veröffentlichen (der Interesse an Projekt drei habe). Ich hatte inzwischen zwar schon selbst einen Verlag „an der Angel“, aber bei dem dauerte es noch mit der Entscheidungsfindung. Daher schloss ich einen Vertrag mit der Agentur und handelte Sonderkonditionen aus, falls am Ende der von mir kontaktierte Verlag den Zuschlag bekäme. So kam es dann auch, denn die anderen Interessenten sprangen entweder ab oder waren zu vage. Aber in den Vertragsverhandlungen mit dem Verlag leistete die Agentur gute Arbeit, so dass ich mit ihr zufrieden war und mir auch künftig eine Zusammenarbeit vorstellen könnte.

Mein Fazit: Die Zusammenarbeit mit einer Literaturagentur kann durchaus hilfreich sein, aber es müssen einige Bedingungen wie vor allem Seriosität und ein guter persönlicher Kontakt erfüllt sein. Außerdem ist ein Literaturagent nicht automatisch das Ticket für die Veröffentlichung in einem (großen) Verlag, man sollte also seine Hoffnungen nicht zu hochschrauben, selbst wenn man bei einer Agentur unterkommt. Immerhin bedeutet es aber, dass zumindest der Literaturagent vom Potenzial des Manuskripts überzeugt ist, sonst würde er es nicht unter Vertrag nehmen.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s