Usain Bolt und ich haben am selben Tag Geburtstag. Nicht im selben Jahr, aber eben beide am 21. August, und wir sind beide gerade in Peking. Gut, das sind auch die einzigen Dinge, die uns verbinden. Aber immerhin habe ich ihn nach dem 200m-Vorlauf in Peking in der Mixed Zone verfolgt und seine Kommentare gesammelt. Glücklicherweise bewegt sich der schnellste Mann der Welt in der Mixed Zone etwas langsamer, allerdings ist er wegen seines Dialekts nicht so leicht zu verstehen. Ich habe mir dreimal auf meinem Rekorder angehört, was er gesagt hat, um auf Nummer sicher zu gehen.
Mein Zielphoto vom 100-Meter-Lauf. Allerdings einen Sekundenbruchteil zu früh.
Ich bin bei der Leichtathletik-WM in Peking im Flash-Quote-Team im Einsatz. Wir sind zu dritt, was mir etwas wenig vorkommt, weil doch viele Sportler und Sportarten abgedeckt werden müssen, aber es geht. Manchmal wird es ein wenig hektisch. Wenn zum Beispiel Usain Bolt kommt, drehen alle durch. Das Publikum und die Medien gleichermaßen. Justin Gatlin ist auch da. Der 100-Meter-Lauf wurde zum Duell Gut (Usain, da nie positiv getestet) gegen Böse (Justin, da schon wegen Dopings gesperrt und ständig unter Verdacht stehend, da er immer besser wird, obwohl er schon über 30 ist, ziemlich alt für einen Sprinter). Im 200m-Lauf geht das Duell jetzt weiter.
Beide Sprinter sind übrigens freundlich, wie die meisten Sportler hier.
Eröffnungsfeier im Vogelnest
Unser Flash-Quote-Team hat eine gute Position auf der Pressetribüne, die TV- und Radio-Mixed-Zone ist direkt nebenan. Wenn wir dort arbeiten können, ist es super. Wenn wir in die Mixed Zone für die schreibende Presse gehen müssen, ist das nicht so toll, weil weiter weg und wir müssen erst die Treppe runter und dann wieder rauflaufen.
Alles in allem läuft es bisher sehr gut, auch wenn ich mich in der Leichtathletik nicht besonders gut auskenne. Aber zum Glück gibt es viel Material, mit dem ich mich vorbereiten kann. Meine Highlights bisher waren 800-Meter-Läufer Amel Tuka aus Bosnien-Herzegovina, die Sprinterin Dafne Schippers aus den Niederlanden, der deutsche Stabhochspringer Raphael Holzdeppe und die deutsche Kugelstoßerin Christina Schwanitz.
Tuka trainiert erst seit sechs Jahren professionell und gewann mit Bronze bei seiner ersten WM gleichzeitig die erste Leichtathletik-WM-Medaille für sein Land überhaupt. Die Niederländerin Schippers hat bewiesen, dass auch europäische Sprinterinnen Weltspitze sein können. Vor zwei Jahren war sie noch als Siebenkämpferin erfolgreich am Start, jetzt aber konzentriert sie sich auf Sprint. Holzdeppe behielt die Nerven und konnte im letzten Versuch 5.90 knacken und Schwanitz zeigte ebenfalls eine starke Leistung.
Mit den Kolleginnen Ulrike und Zuzana in der Kantine. Das Essen ist nicht schlecht.
Die WM wird im „Vogelnest“ ausgetragen, dem schönen Olympiastadion von 2008. So wird es wenigstens mal wieder richtig genutzt. Viele der damals errichteten Sportstätten fristen leider ein eher tristes Dasein. Aber da Peking nun den Zuschlag für die Olympischen Winterspiele 2022 erhalten hat, werden einige davon sicher wieder zum Einsatz kommen, hoffe ich jedenfalls.
Ich kann es kaum glauben, aber ich habe es wirklich getan: Ich habe den Text von „Im Zeitschatten von Mondthal“ ans Layout geschickt. Das heißt, es ist Schluß mit Überarbeitungen und Änderungen. Noch in der letzten Korrekturphase habe ich drei Szenen geändert, eine davon sogar komplett rausgeschmissen und neu geschrieben. Jetzt darf ich nicht mehr in den Text reinschauen, sonst fällt mir gleich wieder etwas ein, das ich verbessern könnte.
Meine Layouterin Regine Bott hat sich gleich ans Werk gemacht und mir schon eine Formatierung geschickt. Das sieht richtig klasse aus, mit ein paar schönen Details. Ich glaube, es wird ein schönes Buch, optisch jedenfalls! Natürlich habe ich beim Durchscrollen gleich ein fehlendes Fragezeichen in einem Satz entdeckt und ein Name im Nachwort war falsch geschrieben. Das raubt mir noch den Verstand! Vor allem weil ich jetzt schon weiß, daß ich, sobald ich das fertige Buch in den Händen habe, sofort irgendeinen dummen Tippfehler sehen werde, den ich bei den gefühlt eine Million mal Korrekturlesen und Bearbeiten nie gesehen habe und den auch die Korrektorinnen übersehen haben. Aber damit muß ich leben. Es wird keine Perfektion geben.
Der Buchtrailer, den mein Sportkamerad Kevin Scoppwer für mich gestaltet hat, ist auch fertig. Er gefällt mir sehr gut und ich kann es kaum erwarten, ihn online zu stellen. Das bisherige Feedback der Leute, die ihn schon gesehen haben, war sehr positiv. Also hoffe ich, daß er wirklich Appetit auf die Lektüre macht.
Dann habe ich für Mondthal eine neue Website und eine Facebook-Seite erstellt. Ich möchte alles vorbereiten, so gut ich kann. Der große Moment der Veröffentlichung rückt näher, im September wird es soweit sein.
Bisher war diese Selfpublishing-Erfahrung sehr positiv. Es hat mir Spaß gemacht, Dinge zu planen und zu entscheiden. Mal sehen, wie es weitergeht.
Eigentlich habe ich ideale Bedingungen zum Schreiben, denn ich arbeite von zu Hause aus, d.h., wenn ich mal zu Hause bin. 😉
Aber ich glaube, jeder kennt das, zu Hause gibt es immer etwas zu tun. Einkaufen, kochen, aufräumen, putzen, sich mit Freunden treffen oder telephonieren …
Von einigen befreundeten Autoren hatte ich schon gehört, daß sie „Schreiburlaub“ machen. Eine zieht gerne mal für ein Wochenende in die Wohnung einer verreisten Freundin. Ein anderer fährt an die Ostsee. Noch einer überlegt, mal in einem Kloster in Klausur zu gehen.
Die Idee mit dem Kloster gefiel mir übrigens. Ich recherchierte, es stellte sich aber heraus, daß das recht teuer ist.
Ich fuhr nach Oberstdorf ins Allgäu. Gut, ich gebe zu, das war kein reiner Schreiburlaub, sondern auch ein Rechercheaufenthalt für die Eiskunstlauf-Biographie und Artikel, weil dort Aljona Savchenko/Bruno Massot trainieren. Von daher ging ich auch fast jeden Tag in die Eishalle, aber nicht so lange.
Doch ich habe mein Ziel erreicht und es hat so funktioniert, wie ich dachte.
Mein „Arbeitsplatz“ im Hotelgarten
Ich habe mir ein schönes Hotel gegönnt, eines, in dem ich mich gerne aufhalte. Meist dient das Hotel ja nur zum Schlafen, da stelle ich keine großen Ansprüche. Aber ich ging in ein schönes, altes Hotel mit Garten und Schwimmbad. Das war mir wichtig, damit ich auch draußen arbeiten und mal eine Pause einlegen konnte. Auch mein Zimmer war gemütlich. Das Hotel hatte was von einem Grand Hotel vergangener Zeiten mit seinem uniformierten, perfekt geschulten und sehr aufmerksamen Personal, dem großen Kaminsaal mit Parkettboden, dem Speisesaal und den verwinkelten Fluren. Es herrschte eine gediegene, ruhige Atmosphäre. Aber mein Zimmer hatte ein modernes Bad und Internetzugang (was gar nicht so gut ist, denn das verführt nur dazu, im Internet zu surfen und emails zu lesen und zu beantworten).
Morgens nach dem Frühstück habe ich mich in den Garten gesetzt und mit Blick auf die Berge gearbeitet. Dann habe ich Mittagspause gemacht und/oder bin in die Eishalle bzw. zu einem Interview gegangen. Am Nachmittag bin ich zur Erfrischung ein paar Runden im Pool geschwommen (den ich fast für mich alleine hatte), dann habe ich weiter gearbeitet und war abends zwischendurch nochmal in der Eishalle. Aber es hat sich wirklich gelohnt! Ich habe die finale Überarbeitung meines Fantasyromans so gut wie abgeschlossen und zwei weitere Saisons in der Biographie geschrieben. Leider geht es morgen schon wieder nach Hause. Aber ich kann mir gut vorstellen, so einen „Schreiburlaub“ noch einmal zu machen.
Ich möchte eine Hybridautorin sein und das Beste aus allen Welten mitnehmen. Vielleicht bin ich unverschämt, aber ich probiere alles aus – Verlag, Agentur und Selfpublishing. Für verschiedene Projekte gibt es verschiedene Wege und ich als Autorin möchte auch herausfinden, was am besten zu mir passt. Ich glaube, jeder Weg hat seinen Reiz, seine Vor- und Nachteile.
Als ich anfing, ernsthaft übers Veröffentlichen literarischer Texte nachzudenken, war natürlich das erste Ziel, einen Verlag zu finden. Aber das ist nicht einfach, die Konkurrenz ist groß. Es gibt zwar auch sehr viele Verlage, die wiederum sehr unterschiedlich sind. Du musst den passenden finden und dein Projekt muss überzeugend genug sein. Die Verlagssuche dauert oft lange und ist frustrierend, wenn es viele Absagen gibt. Meinen Fantasyroman „Im Zeitschatten von Mondthal“ (ehemals: „Das Mondbuch“) habe ich einigen Verlagen angeboten und die üblichen Absagen kassiert oder gar keine Antwort erhalten. Ich bekam aber auch zwei Zusagen von kleinen Verlagen, die das Buch veröffentlichen wollten und mir einen Vertrag anboten, doch beide Verlage gingen vor der Veröffentlichung pleite (wenigstens lag es nicht an mir) und ich konnte wieder von vorne anfangen. Das erste Mal war in einer recht frühen Phase, das zweite Mal ein paar Jahre später. Inzwischen professionalisierte sich das Selfpublishing erheblich und wurde plötzlich auch interessant.
Ich schwankte lange, ob ich einen Verlag suchen oder das Buch selbst herausbringen wollte. Mal fing ich an, die Veröffentlichung vorzubereiten, dann versuchte ich es doch mal wieder mit einem Verlag, auf den ich aufmerksam geworden war und der Interesse äußerte, aber letztendlich sich nicht mehr meldete.
Ich verglich, hörte mich um und kam für mich zu dem Schluss, dass der einzige wesentliche Unterschied zwischen einem kleinen Verlag und dem Selfpublishing meine eigenen Investitionen sind. Für mich ist klar, dass ich, wenn ich ein Buch selbst herausbringe, es vernünftig machen will. D.h. ich muss Geld in Lektorat, Korrektorat und Cover investieren. Das ist Geld, von dem ich nicht glaube, dass ich es wieder hereinbekomme. Aber das ist erst einmal zweitrangig. Wenn ich in einem kleinen Verlag veröffentliche, habe ich keine Kosten für das Lektorat, Korrektorat und Cover. Aber gerade das Lektorat kann bei kleinen Verlagen schlampig sein. Ich habe mir schon manche Bücher aus kleinen Verlagen gekauft, ganz bewusst, und das Lektorat hätte meiner Meinung nach in vielen Fällen weitaus besser sein können.
Ich hatte eine sehr gute Lektorin an der Hand, die mich viel weitergebracht hat und das Geld wert war, das ich investiert habe. Ich sehe das auch als eine Investition in meine weitere Zukunft als Autorin.
Na gut, und der Zeitaufwand ist geringer, wenn ich in einem Verlag veröffentliche, da muss ich mich nicht mit verschiedenen SP-Anbietern auseinandersetzen, deren Leistungen vergleichen, mein Buch selbst formatieren etc.
Aber was die Werbung angeht, so muss ich mich in jedem Fall sehr aktiv einbringen, das wäre sogar der Fall, wenn ich einen größeren Verlag hätte. Denn die konzentrieren ihr Werbebudget auch nur auf wenige Top-Autoren, die ihnen das meiste Geld einbringen.
Ob Selfpublisher oder Kleinverlag – in den Buchhandel reinzukommen, ist sehr schwierig. Viele Buchhändler sind leider so arrogant, dass sie von Kleinverlagen und Selfpublishern nichts wissen wollen und ihnen keine Chance geben, nicht einmal dann, wenn es sich um Autoren aus der Stadt oder Region handelt. Vielleicht ist es ihnen auch einfach zu viel Aufwand, sich diese Bücher anzuschauen und die Spreu vom Weizen zu trennen. Selfpublisher und Kleinverleger zahlen eben auch nichts dafür, dass sie auf einem Büchertisch präsentiert werden.
Für viele hat Selfpublishing immer noch einen faden Beigeschmack: Das macht man ja nur, weil man keinen Verlag gefunden hat. Und warum hat man keinen Verlag gefunden? Das Buch ist bestimmt schlecht. Ja, es gibt sehr, sehr viele schlechte Bücher, die Autoren selbst verlegt haben. Aber es gibt auch zunehmend Autoren, die sich bewusst fürs Selfpublishing entscheiden, weil sie so alles selbst entscheiden und gestalten können, und die gute Bücher herausbringen. Ist natürlich mit Aufwand und Kosten verbunden, siehe oben, aber wenn dann Bücher verkauft werden, bleibt mehr beim Autor hängen.
Es gibt viele erfolgreiche Selfpublisher. Die Verlage beobachten das genau und die besten picken sie sich dann heraus. Noch bequemer können sie es ja nicht haben – das Produkt wurde ja bereits getestet, das Risiko für den Verlag tendiert gegen Null.
Dennoch will ich auch in einem Verlag veröffentlichen, um zu sehen, wie das ist. Ich habe bisher nur eine Kurzgeschichte in der Krimi-Anthologie „Mörderischer Rhein“ der edition Oberkassel veröffentlicht. Die Zusammenarbeit mit diesem Verlag war sehr gut. In diesem Verlag werde ich im kommenden Frühjahr ein eigenständiges Buch veröffentlichen und bin sehr gespannt.
Bleibt noch die Agentur. Ich hatte bereits Erfahrungen mit zwei Literaturagenturen. Bei der ersten kam ich mit dem Agenten persönlich nicht klar. Unsere Ansichten lagen zu weit auseinander. Ich frage mich, wieso er überhaupt das Projekt unter Vertrag genommen hat. Aber auch daraus habe ich etwas gelernt.
Bei der zweiten Agentur lief es schon wesentlich besser. Mit der Agentin, die für mich zuständig war, lag ich auf einer Wellenlänge. Wir konnten auf Augenhöhe über den Text diskutieren und daran arbeiten. Doch leider verließ diese Agentin die Agentur und die anderen Mitarbeiter hatten andere Projekte, um meines kümmerte sich niemand mehr. Am Ende lösten wir den Vertrag einvernehmlich auf. Die Agentin, die auch ausgebildete Lektorin war, engagierte ich dann für den Fantasyroman. Nun versuche ich es zum dritten Mal mit einer Agentur, für die Biographie der Karriere von Aljona Savchenko und Robin Szolkowy. Ich hatte gezögert, ob ich noch einmal mit einer Agentur zusammenarbeiten soll, aber sie haben mich überzeugt. Bisher lässt es sich gut an.
Ich denke, dreigleisig oder zumindest zweigleisig als „Hybridautorin“ zu fahren, ist die beste Lösung für mich. Mal sehen, welches der Projekte am Ende das erfolgreichste sein wird.
Bei meinem Einsatz in Baku während der Europaspiele habe ich mal wieder gemerkt, wie sehr mir die „Mixed Zone“ gefällt, jener Ort, an dem Sportler und Journalisten während eines Wettkampfs, meist unmittelbar nach dem Auftritt des Sportlers, seines Triumphes oder seiner Niederlage, zusammentreffen. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich schon an diesem Ort in Sportstadien irgendwo in der Welt verbracht habe. Ob bei Olympischen Spielen, Welt- oder Europameisterschaften oder auch nur einer kleinen Deutschen Meisterschaft im Eiskunstlauf, eine Mixed Zone gibt es eigentlich immer.
In Baku existierte keine klassische Mixed Zone für die schreibende Presse, für die war erstmals eine „I Zone“ (I für Interview) vorgesehen, ein Ort mit Sitzecken, in der eine gemütlichere Atmosphäre herrschen sollte. Schöne Sache, aber längst nicht so spannend wie die echte Mixed Zone, jedenfalls in den meisten Fällen. Die direkte, unmittelbare, ungefilterte Reaktion und Emotion ist der Mixed Zone vorbehalten, wenn die Sportler noch verschwitzt und aufgewühlt von der Matte, von der Piste, vom Eis, vorm Spielfeld oder sonst woher kommen. Hier sind schon Tränen geflossen, der Freude, der Wut, der Enttäuschung, es wurde gelacht oder gebangt, wenn das Ergebnis noch nicht feststand, weil noch weitere Konkurrenten kamen, viele schöne Zitate, „flash quotes“ flossen direkt aus der Mixed Zone in die Artikel.
Mixed Zone (TV) in der Judo/Ringen/Sambo-Halle in Baku
Ganz ohne diese Zone ging es auch nicht in Baku, für die TV-Sender war eine kleine Interviewecke am Rande des „field of play“, der Wettkampffläche, aufgebaut. Glücklicherweise durften wir vom News Service uns auch dort aufhalten, bei den Fernseh-Interviews mithören oder auch, wenn keine Kamera da war bzw. die Fernsehleute fertig waren, selbst etwas fragen. So kamen wir schnell an unsere Zitate. Unsere Pressetribüne befand sich am anderen Ende der Halle, so dass man entweder rechtzeitig losgehen oder einen Sprint einlegen musste. In manchen Sportarten kann ein Kampf auch ohne Vorwarnung plötzlich vorbei sein, z.B. im Judo, wenn ein Ippon erzielt wird. Im Taekwondo kommt es seltener vor, dass ein Kampf in der dritten Runde vorzeitig wegen zwölf Punkten Unterschied abgebrochen wird (aber das ist meist schon absehbar). Im Fechten kann es manchmal schneller gehen als gedacht, wie wir gemerkt haben. In Baku waren im Fechtwettbewerb vier Pisten im Einsatz, bis zum Halbfinale. Die zwei hinteren waren von der Mixed Zone aus nicht einsehbar und der Fernseher zeigte oft nicht das, was wir sehen wollten. Einer von uns blieb aber immer auf der Tribüne und gab dann das Ergebnis durch, damit wir auch die richtigen Fragen stellen konnten und wussten, wer gewonnen und verloren hatte. Nichts wäre ja peinlicher, als das nicht zu wissen (es gibt Leute, denen das nicht peinlich ist, wer schon mal in bestimmten Mixed Zonen bei bestimmten Veranstaltungen gearbeitet hat, weiß das, aber das ist ein anderes Thema).
Mit meinen Teamkollegen Kamala und Nicklas in der Mixed Zone von Crystal Hall 3 (Taekwondo/Fechten) in Baku
Dann wieder steht man sich die Beine in den Bauch, weil entweder das Match sich doch noch in die Länge zieht oder weil die Sportler trödeln.
Im Eiskunstlauf kennen mich die meisten Sportler und umgekehrt, im Judo und Taekwondo nur vereinzelt, im Fechten kannte ich niemanden und sie mich und meine Kollegen vom News Service auch nicht, aber wir tragen küchenschürzenähnliche Leibchen mit dem schönen Aufdruck „News Service“ und sprechen die Sportler an, die wir interviewen möchten. Die meisten Athleten sind heute so professionell, dass sie Rede und Antwort stehen, auch wenn sie gerade verloren haben und naturgemäß enttäuscht sind. Natürlich gibt es welche, die uns nur ein unfreundliches „nein“ zuwerfen, wenn wir nach einem Kommentar fragen, aber ich kann das verstehen und nehme es ihnen nicht übel, nehme es auch nicht persönlich. Ich finde es nur unprofessionell, gerade bei prominenten Sportlern. Andere wiederum scheinen dankbar zu sein, wenn da jemand steht, mit dem sie ihre Freude oder ihr Leid teilen können und es tut ihnen gut, dass sich jemand für sie und ihre Story interessiert. Das gilt natürlich vor allem für Randsportarten, die sonst nicht viel mediale Aufmerksamkeit erhalten.
Mein Kollege Petter und ich interviewen den georigschen Judoka Varlam Liparteljani.
Nicklas, der junge dänische Journalist in meinem Team, der sonst vorwiegend beim Fußball arbeitet, erzählte mir von Mixed Zones in Südamerika. Da engagieren die Journalisten manchmal knapp bekleidete junge Frauen und bugsieren sie nach vorn, weil dann die Chancen steigen, dass so ein Fußballer stehen bleibt. Die Presseleute sagen den Frauen, was sie fragen sollen. Oder die Fußballer werden mit Süßigkeiten angelockt! Mhm. Vielleicht sollte ich auch mal so einer Eiskunstläuferin einen Schokoriegel hinhalten? 😉
Im Eiskunstlauf ist die Mixed Zone gerade bei Olympischen Spielen oft sehr groß und sehr voll, wenn die Stars kommen. In Sotchi wurden z.B. Interviews aus dem vorderen Teil der Mixed Zone in den hinteren Teil übertragen, und die Journalisten konnten nur ihre Aufnahmegeräte an den Lautsprecher halten. Im Short Track habe ich einmal erlebt, dass die Journalisten aus China und Korea kleine Trittleitern mitbrachten und so eine zweite Ebene schufen, von der aus sie ihre Mikrophone nach unten hielten. Aber aus Sicherheitsgründen war das nicht erlaubt und wurde schnell gestoppt.
In Baku bin sogar ich einmal in der Mixed Zone interviewt worden, und zwar vom weißrussischen Fernsehen, das wohl gerade nichts Besseres zu tun hatte. Sie befragten mich über meine Arbeit bei den European Games. So habe ich mich auch mal für zwei Minuten wie ein Sport-As fühlen dürfen, obwohl ich keinen Fuß auf die Matte gesetzt hatte. 😉
Ich bin nun schon eine Woche in Baku und habe schon einiges gesehen und erlebt. Es ist wirklich sehr interessant hier, Aserbajdschan bietet eine interessante Mischung zwischen Europa und Orient, eine eher europäische Lebensart trifft auf nahöstliche Architektur und Landschaft.
Mit ein paar Kollegen aus dem Newsteam bin ich heute zum Weltkulturerbe nach Gobustan und den Schlammvulkanen gefahren, beides sind ziemlich einzigartige Sehenswürdigkeiten.
Felslandschaft bei Gobustan
In der wüsten Felslandschaft von Gobustan lebten schon in der Steinzeit Menschen und haben Zeichnungen in die Felsen geritzt, die die unglaubliche Zeit von 40 000 Jahren Steinkunst umfassen. Die ersten Zeichnungen wurden um 1939 entdeckt, bis heute sind insgesamt rund 6 500 bekannt. Zuerst besuchten wir das interaktive, moderne Museum und spazierten dann durch die windumtoste Felslandschaft. Manche der Felszeichnungen waren früher in Höhlen, die aber einst bei einem Erdbeben einstürzten. Einige darf man sogar berühren. Diese groben Zeichnungen von Tieren oder Menschen sind eine faszinierende Botschaft aus so ferner Vergangenheit.
Von Gobustan aus fuhren wir zu den Schlammvulkanen. Von denen hatte ich noch nie gehört. Etwa ein Drittel aller Schlammvokale der Welt sind in Aserbajdsdchan zu finden. Ein solcher Vulkan hat einen nicht zu hohen Kegel (manche waren vielleicht nur einen Meter hoch, andere maximal zwei schätze ich) und blubbert vor sich hin. Ab und zu spuckt er dann grauen, zähflüssigen Schlamm aus, dem Heilkräfte nachgesagt werden. Dieser Schlamm ist nicht heiß oder warm, man kann ihn anfassen. Zwischen den grauen Vulkankegel in der kargen Landschaft kam ich mir ein bisschen vor wie auf dem Mond. 🙂
Ausbrechender Schlammvulkan
Es war also ein gelungener Ausflug, wer weiß, ob später noch dafür Zeit gewesen wäre. Da wir eine größere Gruppe von 12 Leuten waren, hatten wir uns einen Minibus mit Fahrer und Fremdenführer organisiert. Der Fremdenführer sprach gut Englisch und erzählte uns auch von der Geschichte Aserbajdschans. Was ich auch nicht wusste – ein Großteil der Azeris lebt im heutigen Iran.
In der vergangenen Woche haben wir uns im Mediendorf eingelebt und mit der Arbeit begonnen. Jeder hat ein Laptop bekommen, ich habe die Facts & Figures für meine Sportarten Taekwondo und Fechten vorbereitet. Im Taekwondo ist das nicht schwer für mich, aber im Fechten kenne ich mich selbst nicht aus und musste recherchieren und mich informieren.
Am Donnerstag sind wir das erste Mal in unsere Halle gefahren, die „Crystal Hall“, direkt am Kaspischen Meer. Sie war noch eine halbe Baustelle, aber wir konnten die drei Wettkampfhallen (eine für Volleyball, eine für Boxen, eine für Karate, Taekwondo und Fechten) in Augenschein nehmen und ich habe die Sportmanager für Fechten und Taekwondo kennengelernt, die sehr freundlich und hilfsbereit sind.
Mit meiner Uniform gab es ein kleines Problem – eine der beiden Hosen, die ich bekommen habe, war falsch etikettiert. Als ich sie auspackte dachte ich schon, dass sie sehr groß ausfällt. Wie groß merkte ich schnell – statt XL hatte ich 7XL! Soviel kann selbst ich nicht essen, dass die mir passt. Eine Kollegin wollte sie für mich umtauschen. Die Uniformen hier fallen generell recht klein aus, fast jeder musste ein bis zwei Größen größer nehmen als normal.
Wir waren inzwischen auch ein paarmal in landestypischen Restaurants essen. Das Essen erinnert mich an die türkische Küche, mit georgischen und iranischen Einflüssen. Es gibt viel Kebab (Fleischspieße), Döner und Salate, Ayran (Joghurtgetränk), Pilaf etc. Die Küche ist herzhaft, die Portionen groß. Das Essen im Mediendorf ist nicht so berauschend. Das Frühstück ist besonders enttäuschend, es gibt nicht einmal Cornflakes oder Marmelade, dafür aber merkwürdig aussehenden Bacon. Da haben wir uns im Supermarkt selbst eingedeckt. Dummerweise bekommen wir morgens immer einen Essensgutschein für eine „warme Mahlzeit“, aber keinen Frühstücksvoucher. Für Mittag- und Abendessen gibt es dann nur einen Gutschein für kaltes Essen. Wer also lieber mittags oder abends warm essen will (die Auswahl und das Essen sind besser als beim Frühstück), muss auf das Frühstück verzichten. Ich mache es jetzt so, dass ich vom Mittag- oder Abendessen etwas fürs Frühstück beiseite lege und mit den gekauften Sachen ergänze. Milch und Tee kann man sich so nehmen. Den wertvollen Gutschein für die warme Mahlzeit löse ich dann am Mittag oder Abend ein.
Aus unserem Wohnheim gibt es auch Neues zu berichten. Eine wahre Putzarmada hat das Heim besetzt, wischt und fegt von früh bis spät. Die Zimmer werden auch täglich gefegt, die Handtücher alle zwei Tage gewechselt. Unsere Wäsche können wir beim Wäscheservice abgeben und bekommen sie auf Wunsch getrocknet zurück. Da die Uniform aber eingehen könnte, lasse ich sie nur waschen und trockne sie bei mir auf dem Balkon.
Die Aufzüge könnten noch ein Problem werden. Wir haben drei Stück im Haus, das hat 19 Etagen. Ein Aufzug gab heute schon den Geist auf. Je mehr Leute in das Haus ziehen, desto länger werden die Wartezeiten.
Gestern Abend habe ich mit einigen Kollegen noch die Probe für die Eröffnungsfeier abgesessen. Es wurden dringend Freiwillige gesucht, die in die Rolle von Offiziellen schlüpfen, die am Dorf abgeholt, mit dem Bus zum Stadion gefahren und dort an ihre Plätze gebracht werden. Das hat alles ganz gut geklappt, aber auf dem Rückweg nicht mehr. Auf der Suche nach dem Treffpunkt mussten wir feststellen, dass es mehrere gleich aussehende Laternenmasten am Zaun gab und meine Gruppe stand offenbar am falschen. Jedenfalls kamen die anderen nicht und wir suchten uns selbst den Weg zum Bus. Die Generalprobe der Feier selbst war eher langweilig, weil einiges ausgelassen wurde, das noch geheim gehalten werden soll. Es gibt ein paar nette Szenen, unter anderem mit Leuten in bunten Kostümen, die z.B. die Landesflagge bilden. Für meinen Geschmack aber ist das alles zu langatmig. Vor allem mussten wir schon um 18 Uhr los, waren dann gegen 19 Uhr im Stadion, aber erst um 21 Uhr ging es richtig mit der Feier los. Zurück im Dorf waren wir um 23.30 Uhr.
Und der Wind natürlich … der hat sich heute und gestern selbst übertroffen. Alles Mögliche fliegt durch die Gegend, eine Glastür am Wohnheim ist schon zu Bruch gegangen und mein Kollege Giacomo wurde fast von einem umstürzenden Sonnenschirm erschlagen, als wir zusammen draußen an einem Tisch saßen. Hoffentlich legt sich der Wind, denn einige outdoor-Sportler werden sich bedanken. Die ersten Sportler sind schon eingetroffen und im Dorf haben schon einige Nationen ihre Balkone mit Fahnen geschmückt. Die Letten und Deutschen gehörten zu den ersten. Am Fahnenplatz im Athletendorf, das direkt neben unserem Dorf liegt, ist heute allerdings die kroatische Fahne vom Wind abgerissen worden und auch die deutsche hing nur noch an einer Stelle fest.
Seit Sonntagabend (31. Mai) bin ich in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan. Ich bleibe vier Wochen hier und komme bei den ersten Europaspielen zum Einsatz, beim Taekwondo und Fechten. Also erlebe ich gleich mehrere Premieren – meinen ersten Besuch in Aserbaidschan, die ersten Europaspiele, meinen ersten Job als Team-Supervisor (bisher war ich immer Reporterin bei solchen Veranstaltungen) und meinen ersten Fechtwettkampf. Puh!
Ich wußte zwar, daß Aserbaidschan eine ehemalige Sowjetrepublik irgendwo hinter der Türkei ist und am Kaspischen Meer liegt (das aber eigentlich ein See ist, wenn auch mit Salzwasser), aber ich mußte dann doch noch mal auf der Karte nachschauen, wo genau dieses Land liegt. Im Westen grenzt es an Armenien, im Norden an Georgien und Rußland, im Süden an Iran und im Westen an das Kaspische Meer.
Blick auf das Kaspische Meer und die Chrystal-Halle, in der ich arbeiten werde.
Ich habe ja schon bei vielen Wettbewerben in einem News-Team gearbeitet und treffe immer wieder dieselben Leute, die wie Nomaden von einem Event zum nächsten ziehen. Es ist eine bunte Truppe aus vielen Ländern, zum Beispiel sind Australier, Engländer, Kanadier, Italiener, US-Amerikaner, ja sogar Neuseeländer, ein paar Deutsche, Österreicher und Franzosen dabei. Hier in Baku arbeite ich wieder mit einigen guten Bekannten zusammen wie meinem alten Freund James und auch Chris aus Österreich.
Wir wohnen im brandneuen „Mediendorf“, eine Gruppe von Hochhäusern, die erst wenige Tage vor unserer Ankunft fertiggestellt wurden noch nach frischer Farbe riechen. Jeder ist alleine in einem Doppelzimmer mit eigenem Bad untergebracht, das ist sehr angenehm. Die Unterkunft erinnert mich an das Mediendorf von den Olympischen Spielen in Peking. Wir wohnen im Haus 1, die Journalisten, die später auch kommen werden, nebenan in Haus 2. Direkt nebenan ist auch noch das Athletendorf.
Am 1. Juni hatten wir unseren ersten offiziellen Tag mit Besprechungen, Einweisung in das Redaktionssystem, das wir nutzen werden, Aushändigen der Technik (Mobiltelphone und Laptops). Abends bin ich mit Chris und James losgezogen und war in der Altstadt. Die ist sehr orientalisch geprägt, allerdings ist sie nicht so wirklich historisch sondern wurde anscheinend nach altem Muster wieder aufgebaut. Mir gefällt sie trotzdem, sie ist von einer wuchtigen, mit Türmen durchsetzten Stadtmauer umgeben und von schmalen Gassen durchzogen. In Basar-ähnlichen Läden gibt es Souvenirs und sogar „fliegende Teppiche“ zu kaufen. So einen sollte ich mir doch glatt zulegen! 🙂
Fliegende Teppiche im Angebot in der Altstadt
Der zweite Tag begann wieder mit Besprechungen und ich erfuhr, daß etwas ganz Tolles auf mich zukommt: Das „rostering“, die Einteilung der Arbeitszeiten meines Teams. Oh je. Das sah alles etwas kompliziert aus und ich darf vor allem nicht vergessen, irgendwelche Änderungen einzugeben. Denn wenn einer zu spät oder gar nicht zu seiner eingeteilten Schicht erscheint, gibt es keinen Essensgutschein und vielleicht noch anderen Ärger.
Am Nachmittag haben wir unsere Uniformen abgeholt. Bei solchen Events bekommen wir fast immer eine Uniform, die wir auch tragen sollen, damit wir gleich als Mitarbeiter zu erkennen sind. Was es gibt, ist jeweils unterschiedlich. Hier in Baku bekamen wir drei hellblaue Polohemden und zwei graue Hosen, ein Käppi und eine Bauchtasche. In Umkleidekabinen probierten wir Musterklamotten an, um die richtige Größe herauszufinden. Das ist immer sehr unterschiedlich. In Asien fallen die Sachen oft sehr klein aus, da müssen gerade die Größeren und etwas Kräftigeren unter uns zu großen Größen greifen. Hier hätte ich das nicht erwartet, aber es war auch so. Und da ich schon gehört habe, daß die Sachen beim Waschen etwas eingehen, nahm ich lieber etwas, das etwas lockerer sitzt.
Baku 2015 Uniform
Mit sieben anderen bin ich nach der Uniformausgabe nochmal in der Stadt und an der Seepromenade spazieren gegangen, habe Postkarten erstanden und war in einem aserbaidschanischen Restaurant essen. Die Küche ist hier mittelöstlich – es gibt gutes Fladenbrot, gegrilltes Fleisch und Gemüse, Käse z.B. Uns hat es geschmeckt. 🙂
Blick auf die Altstadt von Baku
Es ist übrigens angenehm warm hier, aber ziemlich windig. Auf einer Tourismusbroschüre stand, daß Aserbaidschan das Land des Feuers sei, aber ich finde, Land des Windes paßt noch besser.
Für Aserbaidschan haben diese Europaspiele eine enorme Bedeutung, man will klotzen statt kleckern und sich der Welt als würdiger Gastgeber präsentieren. Daher wird nicht gespart, man hat hochmoderne Sportstätten gebaut, die nachts stolz beleuchtet werden. Kritik wird allerdings nicht gern gehört oder gelesen, wie so mancher Journalist oder Dissident erfahren mußte. Ich bin mir dessen durchaus bewußt, aber es ist auf jeden Fall eine Chance, dieses Land und seine Menschen kennenzulernen. Deswegen habe ich nicht gezögert, hierher zu kommen. Und die Menschen, denen ich bisher begegnet bin, ob im News-Team oder auf der Straße, waren alle sehr freundlich, offen und hilfsbereit. Ich habe natürlich das Glück, daß Russisch weit verbreitet ist, mehr als Englisch. Aber für die Europaspiele haben viele junge Aserbaidschaner auch Englisch gelernt.
Die britische Innenministerin Theresa May hat vorgeschlagen, die Flüchtlingsboote, die über das Mittelmeer kommen, zurückzuschicken. Das ist halbherzig.
Viel sinnvoller wäre es doch, die Boote auf hoher See zu versenken, mit Mann und Maus. Wenn sich erst einmal in Somalia, Syrien und anderswo herumspricht, dass die EU-Grenzschützer im „Mare Nostrum“ die Schlauchboote durchlöchern und mit den alten Kähnen Schiffe versenken spielen, wird die Zahl derjenigen, die sich von Afrika aus auf dem Weg machen, schlagartig sinken. So könnten künftig viele Leben gerettet werden und gleichzeitig wird den Schleppern das Handwerk gelegt, denn sie finden keine Kunden mehr. Sicher wäre es bitter für die Betroffenen, aber man muß ja an das große Ganze denken und viele von ihnen wären sowieso ertrunken. Auf dem Meer läßt sich eben so schlecht ein Zaun bauen.
A propos Zaun. Das Problem der Flüchtlinge, die schon in Europa angekommen sind, ist ebenfalls noch ungelöst. Bis zur wahrscheinlichen Ablehnung ihres Asylantrags und ihrer Abschiebung sollten diese Flüchtlinge in Arbeitslagern interniert werden. Der Aufbau eines Arbeitslagers wurde gerade in Deutschland und von Deutschland besetzten Gebieten in der Vergangenheit gründlich erprobt, dürfte also nicht so schwierig sein. Die arbeitsfähigen Flüchtlinge können z.B. in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Auch in diesem Bereich liegen bereits historische Erfahrungswerte vor. So können sie selbst zu ihrem Unterhalt beitragen, was wiederum ihre Akzeptanz in den Aufnahmeländern erhöhen wird. Im Idealfall werden sich die Länder in Europa auf Quoten einigen, um die günstigen Arbeitskräfte gerecht zu verteilen. Aber die Europäische Union sollte darauf achten, dass es nicht zum Streit kommt, weil jeder mehr Flüchtlinge zugeteilt haben will.
Die Lager und Flüchtlingsheime müssen selbstverständlich weit entfernt von den Siedlungen ordentlicher Bürger errichtet werden, damit die Steuerzahler keine Angst um ihr Hab und Gut und um ihre Frauen und Kinder haben müssen. Denn man weiß ja nicht, was da alles kommt. Insbesondere unter Migranten aus bestimmten Balkangegenden sollen schon einzelne Personen gesichtet worden sein, die sich bei Vollmond in zottelige Gestalten mit Krallenhänden und Reißzähnen verwandeln. Eine strikte räumliche Trennung wäre für alle von Vorteil, denn es wäre sehr ärgerlich, wenn so ein schönes, neues Lager in Flammen aufgehen sollte.
Was den Ausrüstungsstandard der Lager angeht, so könnte man ihn an die Verhältnisse in den Heimatländern der Flüchtlinge anpassen, um einen zu großen Kulturschock zu vermeiden. Einerseits blieben die Baukosten niedrig, andererseits ließe sich eine vertraute Umgebung schaffen. Damit sich die Menschen wirklich wie zu Hause fühlen, sollte in gewissen Fällen auch über eine zeitweilige Geräuschkulisse aus Bombenexplosionen, Maschinengewehrfeuer und Tieffliegerlärm nachgedacht werden. Wir sollten eben alles für das Wohlbefinden der Flüchtlinge tun, denn wenn sie sich wohl fühlen, wird ihre Arbeitsleistung steigen. Sobald die Flüchtlinge dann einen Beitrag zu unserem Wohlstand leisten, können wir ehrlich sagen: Herzlich willkommen in Europa.
Ich hätte auch einen besseren Nachnamen abbekommen können. In der Schule durfte ich mich mit Assoziationen wie „Fladenbrot“ (das war noch die harmloseste) herumschlagen. Gut, es gibt schlimmere Namen und mit meinem Vornamen bin ich sehr zufrieden, da haben andere Leute mehr Grund zum Klagen. In der Zeitschrift „Eltern“, die meine Mutter abonniert hatte und die ich gerne las, um das Verhalten der Eltern besser nachvollziehen zu können ;-), gab es immer eine Kinderumfrage und ich kann mich erinnern, wie in einem Heft Kinder dazu befragt wurden, was sie von ihrem Vornamen halten. Ein Junge hieß Gottlieb und schrieb, dass er den Namen nicht so toll fände, aber zum Glück heiße er nicht „Fürchtegott“. Recht hatte er, man muss die Dinge positiv sehen. J
Wenn dir dein Name nicht gefällt, kannst du dir als Autorin natürlich ein Pseudonym zulegen, aber das ist nur ein möglicher Grund. Manche wollen unerkannt schreiben, gerade in Genres wie der Erotik, andere wollen ihr Privatleben und ihr Autorendasein strikt voneinander trennen, manche aber eben nur einen besseren, griffigeren Namen als ihren eigenen nutzen. Dann habe ich schon gehört und gelesen, dass sich unter Umständen englische Namen oder abgekürzte Vornamen (ein berühmtes Beispiel ist die Harry Potter-Autorin J.K. Rowling) besser vermarkten ließen.
Mir geht es einzig und allein darum, vielleicht einen besser klingenden, interessanteren Namen als meinen echten zu nutzen. Ich habe auch schon zwei Ideen für Pseudonyme. Einmal könnte ich mich „Tatjana Mária“ nennen. Maria ist mein zweiter Vorname, aber mit dem netten französischen accent aigu ließe er sich aufpeppen und gut als Nachname verwenden. Das zweite Pseudonym wäre „Lu Cinda“, wer da Pate gestanden hat, ist klar. (Sie sitzt übrigens laut schnurrend neben der Tastatur auf dem Schreibtisch, auf dem Mousepad natürlich) Dieser Name hat den Reiz, dass er ungewöhnlich klingt und es nicht ganz klar ist, ob es sich um einen Männer- oder ein Frauennamen handelt.
Es gibt auch den Ansatz, dass Autoren, die in verschiedenen Genres tätig sind, dafür jeweils andere Pseudonyme nutzen sollen. Aber wie immer im Literaturbetrieb gibt es zehn Leute und zehn Meinungen. Alles, was bei mir mit Eiskunstlauf zu tun hat, veröffentliche ich natürlich unter meinem richtigen Namen, denn der ist in der Szene bekannt.
Wenn ich ein Buch unter einem Pseudonym herausbringe, müsste ich auch Marketing darunter betreiben, also z.B. eine Facebook-Seite für das Pseudonym anlegen etc. Aber da ich ein Pseudonym offen handhaben möchte, kann ich auch zu meinen anderen Seiten verlinken und so auch sicherstellen, dass Freunde und Bekannte wissen, wer sich dahinter verbirgt. Für andere potentielle Leser ist es wahrscheinlich nicht so wichtig, denn sie werden weder meinen echten Namen noch mein Pseudonym kennen.
Ich habe vor, es auszuprobieren, und zwar mit meinem Fantasy-Roman. Mal sehen, wie das funktioniert. Wer eine Meinung zu dem Thema hat, kann sie mir gerne mitteilen!
Als Sportjournalistin, die vor allem über Eiskunstlauf berichtet, war ich schon sehr oft in Japan, denn dieser Sport ist hier sehr populär, es gibt viele Wettbewerbe und die Läufer sind große Stars. Ich hatte Gelegenheit, schon viele verschiedene Städte in Japan zu besuchen, allem voran natürlich die Metropolen Tokio und Osaka, aber auch Sapporo und das kühle Asahikawa auf der Nordinsel Hokkaido, die Tempelstadt Kyoto, Fukuoka und Kumamoto im Süden, Nagoya und Nagano, das vom Tsunami hart getroffene Sendai (vor und nach der Katastrophe von 2011).
Da mir Japan sehr gut gefällt, mich die Kultur des Landes interessiert und mir nicht zuletzt die Küche gut schmeckt, nutze ich wenn möglich die Gelegenheit und bleibe ein paar Tage länger oder komme ein paar Tage früher, damit ich mehr als nur das Hotel und die jeweilige Eishalle sehe. 2013 war ich zum Beispiel eine Woche in Kyoto und Umgebung sowie dann auch noch ein paar Tage in Nikko, bekannt für seine Tempelanlagen und Landschaften. Diesmal, im April 2015, bin ich für drei Tage auf die Halbinsel Izu, südwestlich von Tokio gelegen, gefahren.
Der Strand in der Nähe meines Hotels in Shimoda
Bei Japan denkt man fast immer an überfüllte Megastädte, in denen Menschen sich auf engstem Raum drängen. Das mag für Tokio und Osaka gelten, aber außerhalb der Großstädte sieht es ganz anders aus. Japan hat landschaftlich sehr viel zu bieten und man kann Weite und Ruhe genießen.
Einsamkeit am Strand
Ich bin in ca. drei Stunden mit dem Zug vom Flughafen nach Shimoda gefahren, das ist der Endpunkt der Bahnlinie auf Izu. Das Hafenstädtchen erlangte historische Bedeutung dadurch, dass hier im 19. Jahrhundert die Amerikaner landeten und ihre ersten Handelsverträge mit den Japanern schlossen. Später waren auch die Russen hier aktiv. Heute erinnern Denkmäler daran, auch an die amerikanisch-japanische Freundschaft, um die es im Zweiten Weltkrieg ja leider nicht gut stand.
Perry Road – historisches Sträßchen, benannt nach dem amerikanischen Kapitän, der als erster in Shimoda landete.
Die vulkanische Küstenlandschaft bietet interessante Felsformationen aber auch schöne Strände. Ich habe mir ein gutes Hotel gegönnt, das auf einem Hügel trohnend einen tollen Blick aufs Meer bot.
Blick vom Hotelgarten auf die Bucht bei Shimoda
Da es Nebensaison ist – das Wetter war leider auch nicht so überragend – waren weder der Ort noch das Hotel überfüllt. Ich habe mir Shimoda angeschaut, einen Park, mehrere kleine Tempel und bin zu meiner Freude ziemlich vielen Katzen begegnet – die allerdings bis auf eine sehr scheu waren und sich nicht streicheln, aber wenigstens photographieren ließen.
Zwei Katzen in Shimoda
Die Japaner sind freundlich, aber viele sprechen leider kein oder kaum Englisch und ich bin noch immer nicht dazu gekommen, Japanisch zu lernen. In einem Tempel sprach mich ein älterer Mann an, der wohl dort arbeitete. Daß er wissen wollte, woher ich komme, habe ich noch verstanden. Ich sagte also Deutschland (eines der fünf Worte, die ich auf Japanisch kenne), was einen Redeschwall seinerseits auslöste. Ich glaube, er wollte wissen, von welchem Flughafen ich kam, jedenfalls hörte ich das Wort „airport“. Also sagte ich Frankfurt, was offenbar eine gute Antwort war, denn er freute sich darüber. Dann plauderte er weiter, und irgendwann verstand ich das Wort Beethoven. Aha, ich weiß, daß die Musik von Ludwig van Beethoven in Japan beliebt ist, insbesondere die 9. Symphonie. Ich versuchte, ihm zu erklären, daß ich aus Bonn komme, der Geburtsstadt Beethovens. Aber ich glaube, das konnte ich ihm nicht vermitteln. Schade!
Daianji Tempel
Am Sonntag wollte ich die Westküste der Halbinsel erkunden und es traf sich perfekt, daß ein Freund, den ich von gemeinsamer Arbeit beim Olympic News Service kenne und der seit mehr als 30 Jahren in Japan lebt, sein Ferienhaus in der Gegend hat und sich bei mir meldete , als er auf Facebook sah, daß ich in Shimoda bin. Er holte mich ab, ich traf seine Frau, seine zwei Hunde, sah das in den Hügeln gelegene Ferienhaus mit tollem Blick bis aufs Meer und dann zeigte er mir die Umgebung.
Küste bei Dougashima mit dem Fuji im HintergrundBlick von Darryls und Brendas Ferienhaus
Wir sahen traditionelle kleine Reisfelder, die heute Hobbygärtner aus den Städten mieten können, und wir fuhren nach Dougashima, bekannt für seine Felsküste, die schon ein japanischer Kaiser mit seinem Besuch beehrte und zur nationalen Sehenswürdigkeit erhob.
Küste bei Dougashima
Mit dem Bus fuhr ich gegen Abend zurück nach Shimoda. Der öffentliche Nahverkehr in Japan ist hervorragend organisiert. Im Bus gab es eine elektronische Anzeigetafel, aus der man seinen Fahrpreis ersehen konnte. Ich stieg bei Haltestelle 12 ein und zog ein Ticket beim Einsteigen, auf dem diese 12 vermerkt war. Auf der Tafel waren die Nummern von 1 bis über 30 zu sehen, und der Fahrpreis erhöhte sich, je weiter man fuhr. Beim Aussteigen nach fast einer Stunde Fahrt sah ich also, daß ich 1050 Yen (8,25 Euro) zu zahlen hatte und warf das Geld sowie mein Ticket in den Kassenautomaten beim Fahrer. Die elektronische Anzeige der Haltestellen war selbstverständlich auf Japanisch und auf Englisch. Auch in den Zügen kommt man gut klar, selbst wenn man kein Japanisch kann.
Küste bei Dougashima
Ein weiterer wichtiger Grund für meine Reise nach Shimoda war der „onsen“. Onsen, das heiße Quellbad, ist japanische Wellness, seit Jahrhunderten erprobt. Der vulkanische Ursprung Japans hat dazu geführt, daß an vielen Orten heiße Quellen aus dem Boden sprudeln. Ich hatte wie schon bei anderen Aufenthalten ein Hotel mit eigenem „onsen“ gebucht. Am Anfang war es für mich etwas gewöhnungsbedürftig, daß man in Japan nackt badet, mit anderen zusammen. Es guckt aber keiner komisch, solange man sich an die Onsen-Etikette hält, d.h. bevor man ins Becken mit dem dampfenden Wasser steigt, wäscht man sich gründlich an dafür vorgesehenen Waschplätzen. Seife und Shampoo werden gestellt. Die Bäder sind übrigens im Allgemeinen nach Männern und Frauen getrennt. Mein Hotel hatte einen kleinen, aber feinen onsen, mit einem Innen- und einem Außenbecken. Es ist schon toll, an der frischen Luft in dem heißen Wasser zu entspannen. Eine Sauna gab es auch dazu. Vom onsen habe ich leider kein Bild, denn aus verständlichen Gründen ist photographieren dort nicht gestattet. Seit ich vor Jahren in einem Hotel in Sapporo das erste Mal in einen onsen ausprobiert habe, möchte ich es nicht missen.
Hier spazierte schon ein japanischer Kaiser
Diesmal habe ich nicht in einem „ryokan“, einem traditionellen japanischen Gasthaus gewohnt, weil die alle sehr teuer waren. Aber früher habe ich schon in so einem ryokan auf dem Futon (dicke Matratze) geschlafen und im mit Strohmatten (tatami) ausgelegten Zimmer meinen grünen Tee getrunken. Die ryokan sind meist schlicht und elegant.
Witziges Fahrrad in Shimoda
Mittlerweile bin ich im bunten, lauten Tokio angekommen, auch das ist spannend, aber jetzt ist der Kurzurlaub vorbei und die Arbeit geht weiter.