Wiedersehen mit Bratislava

Die Europameisterschaft 2016 führte mich im Januar nach Bratislava, die Hauptstadt der Slowakei. Ich war schon vor 15 Jahren einmal hier, ebenfalls bei einer EM, aber ich konnte mich kaum an die Stadt erinnern.

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Auf dem Weg zur Burg

Das Wahrzeichen der Stadt ist die Burg, die auf einem Hügel trohnend die Stadt und die Donau überblickt. Ich bin extra einen Tag vor meinem „Arbeitseinsatz“ angereist, um ein wenig Zeit zum Sightseeing zu haben.

Ich habe es nicht bereut. Bratislava ist eine interessante Mischung aus K&K-Flair in der Altstadt und mit der Burg, aus moderner Stadt und Restbeständen sozialistischer Tristesse. Bratislava, das früher Preßburg hieß, gehörte zum Kaiserreich Österreich-Ungarn. Die Kaiser von Österreich waren auch die Könige von Ungarn und wurden in Bratislava zu zu ungarischen Königen gekrönt. In der Slowakei gibt es bis heute eine ungarische Minderheit.

Als ich zur Burg ging, fing es an zu schneien.

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Die Burg verfremdet

Das führte zu einigen interessanten Bildern. 🙂

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Im Burgpark

Die EM war übrigens ein voller Erfolg. Das Ondrej-Nepela-Stadion war jeden Tag gut gefüllt, schon zu den Wettbewerben am Vormittag. Am Wochenende war die Hütte mit rund 10 000 Zuschauern richtig voll, wegen der großen Nachfrage rollten die Veranstalter sogar noch zusätzliche Reihen aus.

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Volles Haus bei der Paarlaufkür am Samstag

Die Wettbewerbe waren spannend mit Überraschungen und es gab auch hochklassige Leistungen zu sehen. Meine persönlichen Höhepunkte waren der emotionale Abschied von Florent Amodio, der die beste Kür seines Lebens lief und sich damit vom Wettkampfsport verabschiedete, sowie natürlich die Rückkehr von Aljona Savchenko mit ihrem neuen Partner Bruno Massot.

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Aljona und Bruno gewannen bei ihrem gemeinsamen EM-Debüt die Silbermedaille

Ich habe diese Rückkehr sogar noch in die Savchenko-Szolkowy Biographie mit aufgenommen, damit ist das Buch auf einem aktuellen Stand.

Ich hatte ein tolles Team bei der EM, mit den Kollegen aus dem ISU-Büro und meinen Freundinnen, die als freiwillige Helferinnen mit mir den Quick-Quote-Service schmissen. Wir hatten eine kleine Box in der Mixed Zone und haben viele Sportler interviewt.

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Unser Quick-Quote Team von Bratislava mit Sara, Esther, Meredith, Olga, Dunja und Anja

Das Abschlußbankett fand auf der Burg statt. Es war zwar nicht so gut organisiert wie der Rest der Meisterschaft, aber da über der Stadt dicker Nebel lag, konnte ich ein paar schöne Photos machen.

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Bank im Burgpark bei Nebelstimmung

Draußen herrschte eine fast gruselige Stimmung. Zu diesen Photos könnte ich mir ein paar Geschichten ausdenken. 😉

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Nebel an der Burg

Zum Abschluß war ich am letzten Abend mit meinen guten Eislauffreunden in der Altstadt unterwegs. Dort war ich auch auf einige individuelle Geschäfte mit schönen Souvenirs gestoßen. Naürlich habe ich ein Paar Ohrringe erstanden. 🙂 Am liebsten hätte ich aus jedem Ort, an dem ich war, ein Schmuck-Souvenir.

Bratislava ist eine Stadt, die ich vielleicht im Sommer noch einmal besuchen möchte, aber auch andere Orte in der Slowakei wie Kosice und die Natur würden mich reizen. Wenn mal Zeit dafür ist!

 

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Der Kanalarbeiter

Diese und einige weitere Photos habe ich in der Galerie veröffentlicht.

 

Letzte Chance

Im Januar erhielt ich Druckfahnen für „Herz im Fadenkreuz“ zum letzten Korrekturlesen. Also das war nun wirklich die allerletzte Chance, um etwas zu ändern oder zu korrigieren.

Ich habe mich hingesetzt, nochmal gründlich alles gelesen, ein paar Kleinigkeiten gefunden und korrigiert. Ich hatte mir vorher schon den kompletten Text laut vorgelesen, um den Lesefluß zu prüfen. Dabei fallen einem immer wieder ein paar Fehlerchen auf.

Ich glaube übrigens fest daran, daß  es Fehlerteufelchen gibt, die darauf warten, daß du deinen Text überarbeitet hast und dann heimlich hineinschlüpfen. Wie kann es sonst sein, daß ich den Text gefühlt tausendmal gelesen habe und dann auf einmal einen Buchstabendreher entdecke, der vorher garantiert nie da gewesen ist! 😉

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Lucinda will auch helfen

Lucinda war ehrlich gesagt keine große Hilfe, sie machte sich nur neben dem Manuskript auf dem Schreibtisch breit.

Dann hatte ich alle Änderungen farbig markiert und die betroffenen Seiten an den Verlag edition Oberkassel zurückgeschickt, noch vor meiner Abreise nach Bratislava zur Europameisterschaft.

Als ich vom Verlag nichts hörte, fragte ich nach einer Woche per E-Mail nach, ob die Unterlagen angekommen seien. Waren sie nicht! 😦 Ich kam am Montag nach Hause und sah auch warum: der Brief war als unzustellbar zurückgekommen. Und das, obwohl die Adresse stimmte und Detlef Knut dort schon sehr lange wohnt.

Zum Glück war die Frist noch nicht abgelaufen. Es war schon gut, daß ich nicht bis zum letzten Moment gewartet hatte. Ich habe mich umgehend bei der Post beschwert und bekam, oh Wunder, einen neuen Umschlag und eine neue Briefmarke gestellt, für den  zweiten Versuch.

Detlef Knut gab mir noch einen wichtigen Tip – am besten Kopien machen, falls etwas verloren geht. Dann muß man ja nur die Änderungen nochmal eintragen und nicht wieder den kompletten Text durchgehen. Das habe ich dann auch prompt getan.

Aber diesmal klappte es. Der Verlag bestätigte am nächsten Tag den Eingang der korrigierten Druckfahnen. Und nun ist es weg, endgültig aus der Hand gegeben. Oh je! Ich weiß, daß die Fehlerteufelchen nur darauf gelauert und sich bestimmt im Briefumschlag versteckt hatten, damit sie auf dem Weg zum Verlag in den Text hüpfen können. Ganz bestimmt! 😉

Wir werden sehen. Ich habe schon mal meine Exemplare vorbestellt, für die Premierenlesung am 17. April in Bonn im Cafe Voyager .

Das Lektorat

Ich war nervös, als ich im Dezember den Text meines Romans „Herz im Fadenkreuz“ an die Lektorin schickte, die der Verlag beauftragt hatte. Ich bin natürlich überzeugt von meiner Geschichte, aber ich überlege auch immer, was ich noch besser machen kann. Und ich dachte, was ist, wenn die Lektorin die Story und meinen Stil ganz furchtbar findet? Wenn ich den Text zurückbekomme, und da ist mehr Rot als Schwarz im Text? Andererseits freute ich  mich auf ihr Feedback, denn gemeinsam können wir versuchen, das Buch so gut wie möglich zu machen. Und für fundierte Kritik bin ich sehr aufgeschlossen.

Zufälligerweise kannte ich die Lektorin Dr. Mechthilde Vahsen von einem Seminar des Literaturbüros Düsseldorf. Ich fand sie sehr sympathisch, und das war schon mal eine kleine Beruhigung.

Ihre E-Mail öffnete ich trotzdem mit Herzklopfen. Aber die Aufregung war unnötig, mein Buch hat ihr gefallen :-). Ich ging ihre Anmerkungen und Vorschläge durch, hatte selbst auch noch ein paar Kleinigkeiten, die ich ändern wollte. So ging das Manuskript Anfang Januar ein paar Tage zwischen uns hin und her, inklusive eines längeren Telefongesprächs. Die Zusammenarbeit war perfekt, auf Augenhöhe, und es hat Spaß gemacht, am Text zu feilen.

Und dann war es vorbei! Nun ist der Text beim Verlag für den Satz. Dann kommt die letzte Chance für Korrekturen, wenn ich es noch einmal zu Gesicht bekomme. Hoffentlich fällt mir dann nichts mehr auf, was unbedingt geändert werden muß. Hoffentlich haben wir keine dämlichen Tippfehler übersehen …

Am 18. April ist es dann soweit, das Buch soll erscheinen. Mehr zum Buch findet ihr auch auf dieser Seite und auf meiner neuen Webseite Tatjana Flade . Hier ist schon einmal der Trailer. 🙂

Jekaterinburg oder die Extreme der Geschichte

Die Russische Meisterschaft im Eiskunstlauf führte mich im Dezember an den Weihnachtstagen nach Jekaterinburg im Ural. Mit rund 1,4 Millionen Einwohnern ist Jekaterinburg die viertgrößte Stadt Rußlands, ein kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Region.

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Eines der schönsten historischen Häuser in Jekaterinburg

Für mich ist diese Stadt aber aus historischer Sicht interessant. Ich habe im Hauptfach Osteuropäische Geschichte studiert, mein Schwerpunkt lag auf russischer Geschichte. Ich habe mich schon in meiner Schulzeit sehr für Rußland und seine Geschichte interessiert und Bücher um Bücher über die Zarinnen und Zaren wie Peter den Großen, Elisabeth, Katharina die Große und Alexander I. verschlungen. Die Regierungsdaten aller Zaren der Romanov-Dynastie konnte ich auswendig (heute kriege ich nicht mehr alle zusammen) und ich wußte, welche Liebhaber Zarin Katharina II. hatte – die wurden immer jünger, je älter sie wurde, sie war eine emanzipierte Frau 😉  .

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Rathaus in Jekaterinburg

Das Schicksal des letzten Zaren Nikolaus II. und seiner Familie hat mich auch immer interessiert und berührt. In der Kurzfassung: Nikolaus heiratete die deutsche Prinzessin Alix von Hessen-Darmstadt, sie bekamen fünf Kinder (vier Töchter Olga, Tatjana, Maria und Anastasia und endlich den lang ersehnten Thronfolger Alexej, aber er war bluterkrank). Nach der Februar-Revolution 1917 dankte der Zar ab. Er und seine Familie wurden im August 1917 nach Sibirien bzw. in den Ural gebracht, zuerst nach Tobolsk und dann, nach der Machtübernahme der Bolschewiki (Kommunisten) unter Lenin im Frühjahr 1918, nach Jekaterinburg. Die bolschewistische Regierung beschloß, die Zarenfamilie ermorden zu lassen. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1918 ließen die Bewacher den Zaren, seine Frau, die Kinder im Alter von 13 bis 22 Jahren und ihre letzten Diener in den Keller des Hauses, in dem sie interniert waren, rufen und erschossen bzw. erstachen sie dort. Die Leichen wurden teilweise verbrannt und in Schächten außerhalb der Stadt verscharrt. Das Verbrechen war lange ein Tabu, aber nicht wirklich geheim, denn noch in der Sowjetzeit pilgerten Monarchisten nach Jekaterinburg zu dem Ipatjew-Haus (benannt nach seinem früheren Besitzer), so daß Boris Jelzin, damals Parteichef in Jekaterinburg, es 1977 abreißen ließ.

In den Jahren 2002/03 wurde die „Kathedrale auf dem Blute“ an der Stelle errichtet, an der einst das Haus stand. Diese Kirche konnte ich nun besichtigen. Es war für mich schon ein spannendes Gefühl,  diesen Ort zu betreten, an dem die Menschen ermordet worden waren, über deren Leben und Schicksal ich so viel gelesen hatte. Ich hatte erst abends Zeit, daher war es schon dunkel. Draußen vor der Kirche erinnern große Phototafeln an die Geschichte der Zarenfamilie. Im Gewölbe der Kirche lief ich durch mit bunten Bildtafeln und Photos geschmückte Räume, die das Leben der Zarenfamilie dokumentieren. An einer Wand in der Kirche hängen Gedenktafeln aus Stein, für jedes Mitglied der Familie eine.

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Die Kathedrale auf dem Blute

Die orthodoxe Kirche hatte den Zaren und seine Familie im Jahr 2000 als Märtyrer heiliggesprochen. So extrem ist die Geschichte – von der  verfemten Zarenfamilie, die grausam ermordet und verscharrt wurde zu Heiligen. Die Gebeine des letzten Romanov-Zaren und seiner Familie wurden übrigens 1991 geborgen, per DNA-Analyse eindeutig identifiziert und 1998 in der Peter-und-Paul Kathedrale in St. Petersburg beigesetzt.

 

 

Podcast Interview

In der Eiskunstlauf-Szene kennen mich viele Menschen und die kanadische Kommentatorin PJ Kwong hat mich bei Skate Canada für ihren Podcast interviewt, natürlich über meine Arbeit beim Eiskunstlauf, aber auch über meinen Einsatz bei Olympischen Sommerspielen, das Buch über Aljona Savchenko/Robin Szolkowy und mehr.

Der literarische Adventskalender

Die Autorin Constanze Budde hatte die schöne Idee, einen literarischen Adventskalender zu gestalten. Hinter jeder Tür verbirgt sich ein Text, zum Beispiel eine Geschichte, ein Gedanke, ein Gedicht … und ein Photo der geöffneten Tür.

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Das ist mein geschlossenes „Türchen“. Was sich wohl dahinter verbirgt?

Ich freue mich, daß ich mit 23 anderen AutorInnen dabei bin und danke Constanze für die Mühe, die sie sich gemacht hat. Mein Türchen öffnet sich am 4.12. Aber natürlich wird man alle Türchen noch später anklicken können, falls man zwischendurch mal eines verpassen sollte.

Viel Spaß mit diesem originellen Adventskalender. 🙂

Freitag, der 13.

Am Freitag, den 13. November war ich in der Eishalle in Bordeaux beim Paarlaufwettbewerb der Trophee Bompard, als in Paris eine Mörderbande das Feuer auf ahnungs- und wehrlose Menschen eröffnete und Bomben zündete. Erst als ich nach der Paarlauf-Pressekonferenz im Presseraum saß und an meinem Artikel arbeitete, hörte ich, wie jemand das Radio eingeschaltet hatte. Man hört da ja nicht immer hin, und ich konzentrierte mich auf meinen Artikel, doch dann drangen Wortfetzen von Attentaten, Schüssen, Explosionen in mein Bewusstsein. Statt weiterzuschreiben las ich dann erst einmal im Internet, was los war.

Wie jeder andere normale Mensch war ich natürlich entsetzt. Ich kenne Paris sehr gut, ich habe dort ein Jahr lang studiert. Das Stade de France, der Boulevard Voltaire, die Restaurants und Cafés, das sind alles vertraute Orte, unvorstellbar, was dort geschah. Unser Eiskunstlauf-Wettbewerb hatte viele Jahre lang in Paris-Bercy im Palais Omnisports stattgefunden, nur in diesem und im vergangenen Jahr war er nach Bordeaux ausgewichen, im nächsten Jahr soll er wieder in Paris stattfinden, wie mir der französische Verbandspräsident Didier Gailhaguet noch wenige Stunden vorher versichert hatte. Jetzt kann man nur sagen, dass wir zum Glück in diesem Jahr nicht in Paris waren. Unser Wettbewerb wurde wegen des Ausnahmezustands und der Staatstrauer in Frankreich abgesagt, aber in Bordeaux ging das Leben ansonsten am Samstag normal weiter, waren die Geschäfte und Restaurants geöffnet und gut besucht. Das war ein gutes Zeichen.

Freitag, der 13. war ein eher billiger US-amerikanischer Horrorfilm, in dem junge Leute in einem Feriencamp nach und nach grausam ermordet werden. Irgendwie war aus diesem Horrorfilm Realität geworden, nicht erst an diesem Tag, jetzt wird dieses Datum zur Chiffre eines weiteren Angriffs auf unsere Lebensart und Kultur. 102 friedliche Demonstranten starben bei einem Anschlag in Ankara, 224 Passagiere eines Flugzeugs, meist russische Urlauber, stürzten in den Tod, als eine Bombe ihre Maschine über dem Sinai zerriss, dazu immer wieder Anschläge von Boko Haram und anderen Terrorgruppen in Afrika, im Nahen Osten. Und nun Paris.

Ankara, der Sinai, Nigeria scheinen weit weg zu sein, aber der Terror rückt nicht nur näher, er ist schon da. Am 10. Dezember 2012 wartete ich am Gleis 3 am Bonner Hauptbahnhof, der gerade abgesperrt wurde, weil an Gleis 1 eine herrenlose, blaue Tasche stand. Ich sehe sie noch genau vor mir, sie stand an den Metallstühlen, einsam, Polizisten sicherten den Bahnsteig. Ich dachte noch, was für ein Aufwand, nur weil so ein Idiot eine Tasche hat stehen lassen. In der Tasche war eine scharfe Bombe, die nur wegen eines fehlerhaften Zündmechanismus nicht detonierte. Irgendwie ließ mich das seltsam unberührt, vielleicht weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass jemand ausgerechnet am provinziellen Bonner Hauptbahnhof eine Bombe abstellt, aber ich fragte mich natürlich, wann die Bombe hätte explodieren sollen – als ich auf dem Bahnsteig war oder vorher? Und hätte die Detonation bis auf Bahnsteig 2/3 gereicht? Der Terror rückt in den Alltag vor.

Die Zahl der Menschen, die durch Terrorismus zu Tode kommen, hat im Vorjahr einen neuen Höchststand erreicht. Heute las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass sie im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 80 Prozent auf 32 658 gestiegen war. Die Bilanz für 2015 wird sicher nicht besser ausfallen. Die meisten Opfer gehen dem „Global Terrorism Index“ zufolge auf das Konto von Boko Haram und IS, vorwiegend in Afghanistan, Irak, Nigeria, Pakistan und Syrien.

Bernard Hykel, Professor für Nahoststudien an der Princeton Universität in den USA, stellte in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung die These auf, dass die zunehmenden Anschläge des IS im Westen letztendlich ein Zeichen der Schwäche dieser Terrormiliz seien. Der IS habe solche Aktionen im westlichen Ausland früher abgelehnt, dies sei eher Spezialität von Al Quaida gewesen. Der IS habe sich bisher auf die Schiiten und als „abtrünnig“ angesehene Regierungen wie im Irak oder Saudi-Arabien (also andere Muslime) konzentriert. Doch nach militärischen Niederlagen und Geländeverlusten wolle der IS mit spektakulären Attentaten Stärke demonstrieren und neue Anhänger anwerben.

Das ist natürlich keine so tolle Aussicht. Wahrscheinlich locken solche grausamen Attentate wie das in Paris tatsächlich wieder junge, orientierungslose Menschen in die Fänge der salafistischen Verführer. In den Medien werden die Bilder der jungen Männer veröffentlicht, die in Paris mordeten und sich dann z.T. selbst in ihr vermeintliches Paradies bombten – es sind immer dieselben Geschichten der Zukurzgekommenen, Gescheiterten, „nicht Angekommenen“ – wobei Ausnahmen die Regeln bestätigen, denn es sind durchaus auch immer wieder andere dabei, die scheinbar integriert waren, einen Beruf, eigentlich ein normales Leben hatten. Die Attentäter auf den Photos haben oft junge, unverbrauchte Gesichter, sehen harmlos, ja fast freundlich aus, und doch sind abgerutscht in einen tödlichen Wahn und Hass auf alle anderen, die nicht ihr krankes Weltbild teilen.

Wie geht es weiter? Wie gehabt. Es wird neue Anschläge geben und eine absolute Sicherheit ist nicht möglich, wenn wir nicht in einem selbst errichteten Gefängnis leben wollen. Im Internet und in den Medien kursiert der offene Brief des französischen Journalisten Antoine Leiris, dessen Frau bei dem Angriff auf den Konzertsaal ums Leben kam und die ihn und einen knapp 17 Monate alten Sohn hinterläßt. Dort schreibt er zum Beispiel: „Am Freitagabend habt Ihr mir das Leben eines außergewöhnlichen Menschen geraubt, die Liebe meines Lebens, die Mutter meines Sohnes, aber meinen Hass, den bekommt Ihr nicht. Ich weiß nicht, wer Ihr seid, und ich will es auch gar nicht wissen, denn Ihr seid tote Seelen. Wenn dieser Gott, für den Ihr so blind mordet, Euch nach seinem Ebenbild erschaffen hat, dann hat jede Kugel im Leib meiner Frau auch sein Herz verletzt.

Deshalb nein, ich werde Euch jetzt nicht das Geschenk machen, Euch zu hassen. Sicher, Ihr habt es genau darauf angelegt – doch auf diesen Hass mit Wut zu antworten, das hieße, sich derselben Ignoranz zu ergeben, die aus Euch das gemacht hat, was Ihr seid. Ihr wollt, dass ich Angst habe, dass ich meine Mitbürger mit Argwohn betrachte und meine Freiheit für meine Sicherheit opfere. Vergesst es. Ich bin und bleibe der, der ich war.“

Das ist eine gute Antwort.

Der Frankfurter Bücherrausch

Jedes Jahr feiert die Literatur ihr Hochamt bei der Frankfurter Buchmesse. Dieses Mal war ich auch wieder dabei, und zwar am Stand des BVjA. Der war ein Anlaufpunkt für unsere Mitglieder auf der Messe – den sie fleißig genutzt haben, und sei es auch nur, um mal ein paar Minuten zu verschnaufen oder um eine Tasche abzustellen. Ich war die meiste Zeit am Stand, von Mittwoch bis Samstag, kam mit Mitgliedern und anderen Leuten ins Gespräch.

Mit BVjA-lern und Büchern am Messestand
Mit BVjA-lern und Büchern am Messestand

Wir haben Bücher der Mitglieder am Stand ausgestellt und natürlich war ich stolz, daß ich mit Mondthal und dem Mörderischen Rhein auch vertreten war. Klar, das waren nur zwei von Zehntausenden von Büchern auf der Messe, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl, ganz ehrlich. Zumal das schöne Cover von Mondthal doch ein paar Besucherinnen dazu animierte, das Buch in die Hand zu nehmen und reinzuschauen. Die Werbepostkarten haben die Leute auch gerne mitgenommen. Kein Wunder, daß Coverdesigner Timo Kümmel beim Deutschen Phantastik-Preis 2015 für seine herausragende Arbeit mit dem dritten Platz geehrt wurde. Herzlichen Glückwunsch!

Mit
Mit „Mondthal“ und „Mörderischem Rhein“ am Messestand

Ganz in der Nähe von unserem bescheidenen kleinen Stand hatte sich Tolino aufgebaut, bei denen ich das E-Book herausgebracht habe. Dort konnte ich die sehr nette Mitarbeiterin persönlich kennenlernen, die mir geholfen hatte, als es beim Hochladen des Textes Probleme gab. Es ist doch immer etwas anderes, die Menschen von Angesicht zu Angesicht zu treffen und nicht nur per email oder Telephon zu kommunizieren.

Unser Stand war im Selfpublishing-Bereich der Messe untergebracht. Dort konnte ich gut beobachten, wie selbstbewusst diese Szene geworden ist und wie sie sich professionalisiert hat. Dienstleister für Selfpublisher schießen wie Pilze aus dem Boden. Da muss man schon genau hinschauen und vergleichen, welches Angebot für welches Projekt am besten geeignet ist. Mancher Anbieter verlangt vielleicht eine höhere Grundgebühr, bietet dafür aber Extras, die andere nicht haben. Oder aber das sind Extras, die man gar nicht braucht. Der „Selfpublisher-Papst“ Matthias Matting hat sogar einen eigenen Verein gegründet, der Uschtrin-Verlag eine neue Zeitschrift, „Der Selfpublisher“, auf den Markt geworfen.

Bücher der BVjA-Mitglieder am Messestand
Bücher der BVjA-Mitglieder am Messestand

Wir vom BVjA boten ein Tischgespräch zum Thema Rechtliche Fragen beim Selfpublishing an und nahmen an einer Podiumsdiskussion teil. Ich ging außerdem zu einer Infoveranstaltung für Selfpublisher, die aber relativ oberflächlich blieb. Am interessantesten waren aus meiner Sicht der Auftritt eines Bloggers, der darüber sprach, wie Autoren sein Interesse wecken und der eines Vertreters von BoD. Meine Frage, warum es sich anscheinend kompliziert gestalte, mein Buch im Buchhandel zu bestellen, konnte er jedoch nicht beantworten. Ich muß das aber mal selbst ausprobieren, bisher hatte ich nur von einer Freundin gehört, daß es nicht so leicht gewesen sei. Ihre Kolleginnen haben mein Buch bestellt, um es ihr zu schenken. Aber ich habe erfahren, daß die Bücher von BoD remissionsfähig seien.

Gute Laune am BVjA-Stand
Gute Laune am BVjA-Stand

Ansonsten war die Messe natürlich wieder der Bücher-Overkill. Die Massen drängten sich durch die Hallen, oft zu den Ständen der Comic- und Mangafiguren, aber auch zu den Lesungen. Bücher, Bücher, Bücher – das stimmt optimistisch für die Zukunft des Buches und des Lesens. Aktuell ist das E-Book in Deutschland auch gar nicht mehr so auf dem Vormarsch, wie der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zu berichten weiß. Oder ist das nur das Pfeifen im Walde eines Interessenverbandes? Auf der Messe jedenfalls wirkte es nicht so. Aber letztendlich ist es egal, ob E-Book oder Printbuch, Hauptsache, es wird noch gelesen!

Gelesen, und zwar vorgelesen haben am Samstagabend die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des BVjA-Buchmessenseminars in Gelnhausen. Ich habe die Veranstaltung moderiert und wir bekamen viele interessante und ganz unterschiedliche Texte zu hören. Vielen Dank an alle!

Die TeilnehmerInnen der BVjA-Lesung in Gelnhausen.
Die TeilnehmerInnen der BVjA-Lesung in Gelnhausen.

Die Premierenlesung

Am Sonntag, den 20. September, war es soweit. Zusammen mit dem BVjA-Kollegen Marcel Schmutzler habe ich an einer Lesung im Café Voyager in Bonn teilgenommen und dabei „Im Zeitschatten von Mondthal“ öffentlich vorgestellt.

Unsere Moderatorin Chris, Marcel und ich kurz vor der Lesung
Unsere Moderatorin Chris, Marcel und ich kurz vor der Lesung

Es waren mehr als 20 Leute da und – vor allem – nicht nur Freunde und Bekannte, sondern auch andere. Für uns „no names“ war das ein Erfolg, auch die Leute vom Café waren zufrieden und sagten, daß die Lesungen bei ihnen normalerweise nicht so gut besucht seien. Wir hatten im Vorfeld fleißig Werbung gemacht, ein Plakat aufgehangen und ich habe die Lokalpresse informiert.

Der  Bonner General-Anzeiger brachte am Samstag einen recht ausführlichen Vorbericht, auch das war natürlich sehr gut. Ob die anderen Medien etwas veröffentlicht haben, weiß ich nicht.

Ich habe zwei Textstellen gelesen, eine relativ am Anfang und eine etwas actionreichere Szene später im Schloß des Herrn der Drachenberge.

Bei der Lesung

Anscheinend habe ich ganz gut gelesen, deutlich und nicht zu schnell. Ich habe mich auch immer bemüht, zwischendurch mal aufzublicken.

Am Samstag war ich noch „zum Üben“ beim Autorenfrühstück in der Destille in Düsseldorf, dort kam das Buch bzw. das Lesen auch gut an.

Marcel hat zwei Kurzgeschichten gelesen und Chris, ebenfalls vom BVjA, hat die Veranstaltung moderiert. Auf dem Büchertisch haben wir nicht nur unsere eigenen Werke, sondern auch die unsere BVjA-Kollegen Jan Viebahn mit angeboten, der leider nicht dabei sein konnte.

Der Büchertisch
Der Büchertisch

Die Lesung hat viel Spaß gemacht und hoffentlich gibt es noch weitere Gelegenheiten. Einige Freunde und Bekannte, die am Sonntag nicht dabei sein konnten, haben schon gefragt, wann die nächste Lesung ist. 🙂

Der Countdown läuft

Der Countdown für meinen Debütroman läuft. Am 15. September ist das E-Book erhältlich, das Printbuch über BoD etwas später. Das E-Book ist bei den Tolino-Bookshops (Thalia, Hugendubel u.a.) vorbestellbar und inzwischen auch bei Amazon. Da ich meine endgültigen E-Book-Dateien noch nicht hatte (ich lasse sie genauso wie das Printbuch professionell von Lektor hoch 3  layouten und setzen), aber die Vorbestellungen ermöglichen wollte, habe ich erst einmal Dummy-Dateien hochgeladen. Bei Tolino gab es ein paar Probleme, da ich Überschriften falsch formatiert hatte, aber das freundliche Team half mir weiter. Ich durfte ihnen meine Datei schicken, sie fanden den Fehler und korrigierten ihn. Ich bekam dann auch noch ein sehr nettes Kompliment für mein Buch. 🙂

Bei Amazon lief es reibungslos, allerdings hatte ich da schon die mobi-Datei von den Layoutern. Es ist jedenfalls schon mal nett, die Bücher in den Webshops zu sehen und von ein paar Vorbestellungen weiß ich schon. Ich danke allen für ihre Unterstützung!

Bereits Anfang August hatte ich bei BoD einen Probedruck bestellt, auf Anraten der Layouter. Auch Eva Seith, eine Autorenkollegin aus dem BVjA, hatte mir diesen Tipp gegeben. BoD braucht etwas lange, daher fand ich das Buch erst nach meiner Rückkehr aus China vor. Aber was soll ich sagen – es sieht gut aus! Das Cover, die Druckqualität, alles gefällt mir sehr.

Die Layouter haben auch einen Probedruck bestellt, um Formatierungsfehler aufzuspüren. Ich wiederum las das Buch auf eventuelle Fehler hin durch. Ich fand ein paar wenige. Irgendwas habe ich sicher noch übersehen (oder auch meine Korrekturleserinnen), aber es dürfte nicht mehr viel sein.

Layout und Satz sind sehr gelungen, das Printbuch wird einen echten Mehrwert haben. 🙂 Es ist auch ganz schön dick geworden, 408 Seiten. Vor zwei Tagen habe ich meine letzten Korrekturen und Änderungen ans Layout geschickt. Die aktualisierten, finalen E-Book-Dateien habe ich heute erhalten. Noch ein Check, dann lade ich sie bei Tolino & Co hoch, damit die Vorbesteller und alle anderen die korrekte Version bekommen.

Bei Lovelybooks habe ich eine Leserunde gestartet, die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. September.

Am 20. September stelle ich das Buch bei unserer BVjA-Lesung in Bonn im Café Voyager öffentlich vor.

Bin ich nervös vor der Veröffentlichung? Na ja, ein bisschen schon. Zwar habe ich bisher viel positives Feedback erhalten, aber ich muß natürlich auch mit miesen Rezensionen rechnen. Ich habe schon mal den Artikel über den „Umgang mit Kritik“ gelesen, den Wolfgang Tischer von Literaturcafe.de für unsere BVjA-Mitgliederzeitschrift Qwertz geschrieben hat. 😉 Der Artikel erscheint übrigens in der nächsten Qwertz, aber ich lese und redigiere ja alle Artikel vorher.

Nicht jedem wird gefallen, was ich da geschrieben habe, vielleicht kauft jemand das Buch und erwartet etwas anderes. Aber wenn ich veröffentliche, muss ich mich der Öffentlichkeit stellen und kann nicht nur Streicheleinheiten erwarten. Ich kann ja sogar froh sein, wenn überhaupt ein paar Leute das Buch kaufen und lesen!

Aber ich bin auch ein wenig traurig. Es ist so, als gebe ich dieses „Kind“, diese Geschichte, weg. Diese Geschichte bedeutet mir ohnehin sehr viel, weil sie mich so viele Jahre lang begleitet hat.

Aber so ist es nun. Ich habe es auch so gewollt. Der 15. September kommt bald.